Analyse

1. FC Union Berlin: Ein Saisonfinale mit dem Zeug zum Mythos

Union wird aus dieser verrückten Saison viel lernen. Das Gute: Die Schmach von Köln ist vergessen, es lebe der Mythos vom Sieg in allerletzter Sekunde.

Janik Haberer jubelt nach dem 2:1 in der allerletzten Sekunde. 
Janik Haberer jubelt nach dem 2:1 in der allerletzten Sekunde. Imago

Der 1. FC Union Berlin hat eine historische Leistung hingelegt: Noch nie hat eine Mannschaft in der Bundesliga nach einer derartigen Niederlagen-Serie wie vor einigen Monaten den Klassenerhalt geschafft. Am Samstag beim Saisonfinale kam wieder alles zum Vorschein, was den Verein in den vergangenen Jahren so erfolgreich gemacht hat: Die Mannschaft hat gekämpft, malocht, geackert – bis zur Bewusstlosigkeit, wie der Zusammenprall von Diogo Leite bewies. Angeführt von einem überragenden Kapitän Christopher Trimmel gingen alle bis über ihre Schmerzgrenzen – wie Trimmel das vor dem Spiel verlangt hatte

Der zwischenzeitliche Ausgleich brachte die Mannschaft nicht aus der Fassung, obwohl dem Tor der Freiburger eigentlich ein Foul vorangegangen war. Schließlich brauchte es einen Gewaltschuss, um den zweiten abgewehrten Elfmeter im Nachsetzen zu veredeln. Das Publikum begleitete die Mannschaft von der ersten Sekunde an mit der fachkundigen Begeisterung, wie man sie aus Arbeiterkulturvereinen kennt. Es war den Fans wichtig, dass die Mannschaft die Klasse hält, aber zu erwarten war es nach dieser Saison nicht. Doch alle im Stadion wussten auch, dass dies keine „normale“ Saison war: Champions League unter anderem gegen den späteren Finalisten Real Madrid, wo Union den Königlichen zweimal auf Augenhöhe begegnete. Auch gegen den SSC Napoli machten die Eisernen „bella figura“. Neapel hat übrigens ähnlich wie Union eine verheerende Liga-Saison gespielt, nach dem glanzvollen Gewinn der Meisterschaft im Jahr davor.

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Was werden die Lehren sein? Bei Union kommt nun alles auf den Prüfstand, jede Position wird hinterfragt, ein Umbau steht an. Die Vereinsführung wird schon aus Gründen der wirtschaftlichen Vernunft eine Grundsatzdebatte führen. Selbstzufriedenheit ist dem Verein fremd, billige Schuldzuweisungen aber auch. Am Schluss wird man versuchen, wie man die Weiterentwicklung vorantreiben, den Verein auf ein neues „Level“ bringen kann. Die Kombination aus den positiven Erlebnissen und den vielen Niederschlägen dieser Saison sollte dazu führen, dass Union gestärkt in die Zukunft geht. Der dramatische Sieg in letzter Sekunde gegen den SC Freiburg wird dem Verein und den Fans deutlicher in Erinnerung bleiben als die desaströsen letzten Minuten in Köln.

Auf diesem Spirit kann der Verein aufbauen. Am Ende der Saison legte die Mannschaft am Samstag ein Spiel hin, an das Union nahtlos anknüpfen kann – kein Mythos vielleicht, aber ganz sicher eine Inspiration für ein weiteres Jahr in der höchsten Spielklasse Deutschlands.