Prozess

Erster Prozesstag in Leipzig: Wurde Gil Ofarim wirklich Opfer von Antisemitismus?

Gil Ofarim beschuldigte einen Mitarbeiter eines Leipziger Hotels, ihn wegen eines Davidsterns abgewiesen zu haben. War das gelogen? Ein Gericht soll es klären. Wir waren beim Prozessauftakt dabei.

Gil Ofarim (l.) spricht im Gerichtssaal mit seinem Anwalt Alexander Stevens.
Gil Ofarim (l.) spricht im Gerichtssaal mit seinem Anwalt Alexander Stevens.Hendrik Schmidt/dpa

Es ist 9.10 Uhr, als Andreas Stadler, Richter am Landgericht Leipzig, die Gäste beim Prozess gegen Gil Ofarim mit einem genuschelten „Guten Morgen“ begrüßt – und dann mit einem äußerst ungewöhnlichen Experiment fortfährt. 

Der Richter zeigt mit dem Finger auf die rechte Seite des restlos gefüllten und von fünf Justizbeamten bewachten Saals 115. „Bitte nehmen Sie dort Platz“, sagt er plötzlich, „wenn Sie glauben, dass Herr Ofarim unschuldig ist.“ Auf der anderen Seite sollen sich alle platzieren, die davon überzeugt sind, der Musiker und Schauspieler jüdischen Glaubens sei ein Lügner, habe lediglich behauptet, am 4. Oktober 2021 antisemitisch beleidigt worden zu sein vom Hotelmanager Marcus W. „Packen Sie Ihren Stern ein, dann können Sie einchecken“, soll dieser an der Rezeption im The Westin Leipzig gesagt und Ofarim das Anmeldeformular aus der Hand gerissen haben. 

Berliner Zeitung

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