Kommentar

„Festival of Lights“? Lasst bitte das Licht aus!

Der Senat spart Energie, lobt aber das „Festival of Lights“. Doch nun wäre es an der Zeit, die kitschig-bunte Beleuchtungsshow zu beenden. Licht aus, bitte!

Das Festival of Lights verkitscht den Bebelplatz im vergangenen Jahr. Das findet jemand schön? Kaum zu glauben.
Das Festival of Lights verkitscht den Bebelplatz im vergangenen Jahr. Das findet jemand schön? Kaum zu glauben.dpa/Paul Zinken

Die Deutschen lassen den Geldbeutel zu und versuchen jetzt schon hauptsächlich im Energiebereich zu sparen. Das kann man übertrieben finden, schließlich kommt die kalte Jahreszeit erst und keiner weiß, wie sich die Lage bis dahin entwickelt.

Man kann es aber auch weitsichtig finden, denn Gas- und Stromversorger haben schon vor Wochen  eindrücklich davor gewarnt, dass sich die Kosten für Gas und Strom vervielfachen werden. Auch Berlin hat reagiert und strahlt nun viele lokale Sehenswürdigkeiten in der Nacht nicht mehr an. Das ist sicherlich ein trauriges Bild, vor allen Dingen wenn die Tage wieder kürzer werden. Keine Frage: das in der Dunkelheit illuminierte Brandenburger Tor beispielsweise hat etwas Festliches und in diesen Tage der Unsicherheit auch etwas Tröstliches.

Aber ganz ehrlich: die dekorative Beleuchtung von Gebäuden ist nun wirklich ein Luxus, den man sich in guten Tagen gönnen kann, und selbst dann ist diese Form der Energieverschwendung ein Thema, das diskutierbar ist.

Touristisch relevante Ereignisse

Und trotz der Energiesparmaßnahmen soll nun des alljährliche „Festival of Lights“ stattfinden, das teilte der Senat auf eine CDU-Anfrage mit. Das Festival sei eine privatwirtschaftliche Veranstaltung und unabhängig vom Berliner Senat.

So kann man sich natürlich auch positionieren. Immerhin, so der Senat, seien das „Festival of Lights“ und auch „Berlin leuchtet“ touristisch relevante Ereignisse, die zur Attraktivität Berlins in der dunklen Jahreszeit beitragen würden.

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Ich finde allerdings, dass eine Stadt, die es für nötig befindet, ihre architektonischen Kleinode auch noch in kitschigen Farben lichtbepinseln muss, sich grundsätzlich mal Gedanken machen sollte, wie weit es mit der Attraktivität her ist. Denn ich empfinde die Beleuchtung, die als Festival tituliert daherkommt, primär als Verkitschung des öffentlichen Raumes. Gleich nach den Buddy Bären. Jetzt also wäre doch ein guter Moment, sich vom „Festival of Lights“ zu verabschieden. Das bringt sicherlich auch ein paar Kilowatt.