Es ist ein Bild wie bei Pieter Bruegel auf dem Landwehrkanal am Dreiländereck, wo Kreuzberg, Treptow und Neukölln aufeinandertreffen: Winterlandschaft mit Eisläufern, und das unter strahlend blauem Himmel. Zwei Jungs spielen Eishockey, ein Hund rennt bellend dem Puck hinterher. Kinder sind auch auf dem Eis, mit und ohne Eltern. Unheimlich finden es alle, mit denen ich spreche, aber aufregend auch. „Und darum geht es doch im Leben“, sagt eine junge Frau.
Als ich auf dem Weg nach Hause am Landwehrkanal entlang Richtung Glogauer Brücke gehe, sehe ich einen einzelnen jungen Mann auf dem Kanal. Er ist winterlich gekleidet, hat eine Mütze auf und geht Richtung Dreiländereck. Aber hier ist er ganz allein.
Ich bin schon auf der Brücke, als ich ein Geräusch höre. Das Geräusch von brechendem Eis. Der Mann ist eingebrochen. In Panik wähle ich 110 und laufe in seine Richtung. Ich sehe, wie er versucht, sich aus dem Eisloch zu ziehen, und wie es ihm schließlich gelingt, sich herauszuarbeiten. Auf dem Bau liegend robbt er sich ans Ufer. Als ich an der Stelle bin, sehe ich nur noch, wie er mit seinen nassen schwarzen Hosen die Ratiborstraße hochgeht.
Zurück bleibt das Loch im Wasser, direkt vor der für Fußgänger nicht zugänglichen Rohrbrücke, die eine Rohrleitung übers Wasser führt. Die Polizei ist sehr schnell da, auch ein Rettungswagen, sogar ein Hubschrauber kreist plötzlich über uns. Aber auch sie können nur noch auf das Loch im Eis blicken.

Auch Kinder in der Nähe der Einbruchstelle
Fünfzig Meter entfernt von dem Loch, im Sonnenschein, sieht man die Menschen, die sich auf dem Eis vergnügen. Auch ich war gerade noch dort, habe der Euphorie nachgegeben und mich auf die Fläche gewagt. Das Eis wirkte dick, stabil, die Luft hatte minus sieben Grad. Da konnte doch nichts schmelzen.
Berlin on Ice #Landwehrkanal #Dreiländereck #Kreuzberg #Neukölln #Treptow pic.twitter.com/FJTQhwNusM
— Dominik Mai (@dominikmai) January 11, 2026
Ich habe wunderschöne Videos gemacht, habe fotografiert, Gruppenfotos von anderen gemacht und mich dem Gefühl hingegeben, etwas ganz Besonderes zu erleben, etwas, das immer seltener wird. Ich habe innerlich einer jungen Frau zugestimmt, die auf die Frage, ob sie keine Angst habe, die Wasserschutzpolizei warne doch, spreche von Lebensgefahr, antwortete: Die warnen doch immer.


