„Eis gut befahrbar“

Berliner wagen sich auf zugefrorene Seen – wie gefährlich ist das wirklich?

Am Wochenende wagen sich Berliner auf zugefrorene Eisflächen, etwa an der Krummen Lanke, dem Landwehrkanal oder dem Großen Müggelsee. Die Wasserschutzpolizei rät dringend ab.

Eine Person und ein Kind gehen über die vereiste Wasserfläche des Neuköllner Schifffahrtskanals am Weigandufer unter der Treptower Brücke.
Eine Person und ein Kind gehen über die vereiste Wasserfläche des Neuköllner Schifffahrtskanals am Weigandufer unter der Treptower Brücke.dpa

„Morgen Eishockey an der Fischerhütte mit Grill“, schreibt ein Freund am Samstag über WhatsApp und schickt ein Foto mit, auf dem man dort auf dem Schlachtensee in Steglitz-Zehlendorf schon Eishockeyspieler sehen kann – bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Die ersten Mutigen oder auch Leichtsinnigen konnte man am Freitag bereits auf dem Landwehrkanal in Kreuzberg beobachten – noch ganz vorsichtig am Rand gehend, testeten sie die Trittfestigkeit des Eises. Es hielt. Auf dem Kanal liegen auch bereits ein Autoreifen und ein Stuhl – womöglich hat sie jemand dorthin geworfen, um zu testen, wie fest das Eis ist. An der Kottbusser Brücke jedoch ist von Eis keine Spur.

In den sozialen Medien tauschen sich viele über die zugefrorenen Gewässer aus: „Mein Tipp an Berlin fürs Wochenende: Krumme Lanke. Eis von der Struktur nicht perfekt, aber sicher und gut befahrbar. Wird bei der Sonne dieses Wochenende sicher super“, schreibt jemand auf X. Dazu stellt er ein Foto von zwei Eishockeyspielern. „Friedrichshagen-Rahnsdorf. Vergnügen auf dem Eis“ schreibt ein anderer X-Nutzer zu  einem Foto vom zugefrorenen Großen Müggelsee, auf dem sich Menschen tummeln. Es passiert nicht mehr oft, dass sich auf Berlins Gewässern eine Eisdecke bildet, die noch dazu tragfähig scheint. Viele Berliner reagieren euphorisch und wagen sich darauf.

Die Berliner Wasserschutzpolizei allerdings warnt eindringlich vor dem Betreten der Eisflächen: Es bestehe Lebensgefahr. Viele Gewässer seien nicht wirklich durchgefroren, es gebe immer sogenannte Löcher, sagt ein Pressesprecher der Polizei am Sonntag.

Die Wasserschutzpolizei gibt im Übrigen nie eine Eisfläche zum Betreten frei, denn die zuständige Behörde sind die jeweiligen Bezirksämter. Jedoch geben auch diese keine Eisflächen zum allgemeinen Betreten frei. „Wer die Eisflächen betritt, tut dies immer auf eigene Gefahr“, warnt die Wasserschutzpolizei.

Die Wasserschutzpolizei ist mit Eiswagen auf Streife

Wann das Eis tragfähig sei, könne man nie genau sagen. Die Eisstärken auf einem einzigen Gewässer können sehr unterschiedlich sein. Strömungsverhältnisse, Zu- oder Ablauf eines Sees, Sonneneinstrahlung, Beschaffenheit und Dichte des Eises würden eine entscheidende Rolle spielen. Daher werden auch keine Eisstärken bekannt gegeben.

Die Wasserschutzpolizei weiß aber auch, dass viele Berliner sich der Anziehungskraft der zugefrorenen Gewässer nicht entziehen können.

Sie gibt deshalb Hinweise dafür, was zu beachten ist, wenn man trotz der Warnungen auf das Eis geht:
  • Das Eis niemals alleine betreten.
  • Niemals bei Dunkelheit oder schlechter Sicht auf das Eis gehen und fließende Gewässer wie die Spree, die Havel, den Großen Müggelsee, den Großen Wannsee sowie den Tegeler See meiden.
  • Dasselbe gilt für Eisflächen unter Brücken.
  • Von gebrochenen Fahrrinnen oder Eislöchern sollte man sich fernhalten und sich vor dem Betreten des Eises über Standorte von Rettungseinrichtungen der Berliner Feuerwehr informieren.

Wenn  jemand ins Eis eingebrochen ist, sollte man sofort die Polizei oder die Feuerwehr informieren und sich nicht selbst in Gefahr bringen. Helfen sollte man, wenn möglich, vom Ufer aus, etwa mit einer Stange. Wenn man sich der Unglücksstelle nähern möchte, sollte man sich auf das Eis legen und dorthin robben, damit sich das Gewicht auf eine größere Fläche verteilt.

Die Wasserschutzpolizei fährt derzeit rund um die Uhr mit sogenannten Eiswagen an den Berliner Gewässern auf Streifenfahrt. Diese sind mit  Gerätschaften für Rettungsaktionen und zur Messung der Eisstärke ausgerüstet. Zum Rettungsgerät gehört unter anderem ein Kälteschutzanzug, mit dem die Rettungsteams in der Lage sind, sich in das eiskalte Wasser zu begeben.