Jeder fünfte Mensch in Berlin ist armutsgefährdet – Tendenz steigend. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende sowie Menschen mit Migrationsgeschichte und geringer Qualifikation. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Sozialberichts, den der Berliner Senat gebilligt hat.
In der Hauptstadt sind zudem etwa sieben Prozent der Rentner arm. Der Anteil ist fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Die Armut konzentriert sich in Berlin stark; Brennpunkte sind unter anderem Neukölln, Mitte, Spandau und Marzahn-Hellersdorf. Bei der Kinderarmut gibt es zwar einen Rückgang, doch lebt weiter etwa jedes vierte Kind in einem Haushalt, der Bürgergeld bezieht. In einigen Quartieren ist sogar jedes zweite Kind arm.
Jedes siebte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet
Die Wohnungsknappheit und steigende Mieten verschärfen laut dem Bericht die Lage. Es gibt zum einen viel mehr Wohnungslosigkeit. Und zum anderen gelten rund ein Fünftel aller Haushalte als übermäßig belastet, weil sie mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Bruttokaltmiete abzweigen müssen. Als armutsgefährdet gilt, wessen Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bundesweit ist jedes siebte Kind armutsgefährdet.
Erstmals wurde auch der Reichtum in Berlin mit betrachtet. Rund neun Prozent der Bevölkerung gelten laut dem Sozialbericht als „einkommensreich“; sie wohnen demnach vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Pankow. Zwischen 2015 und 2021 hat sich die Zahl der Spitzenverdiener mit mehr als einer Million Euro Jahreseinkommen fast verdoppelt. Das Vermögen sei „extrem ungleich verteilt“, hieß es in einem Schreiben des Senats. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sagte dazu: „Die soziale Ungleichheit steigt in Deutschland und auch in Berlin. Und die soziale Spaltung ist insgesamt natürlich für den sozialen Frieden nicht so gut.“
