Senatsbericht

Armut in Problemkiezen noch größer: Jedes vierte Berliner Kind lebt in Bürgergeld-Haushalt

Kinderarmut ist zwar insgesamt gesunken, doch die Anzahl der Kinder in Bürgergeld-Haushalten in der Hauptstadt ist nach wie vor hoch. Einige Bezirke sind besonders stark betroffen.

Bundesweit ist jedes siebte Kind armutsgefährdet.
Bundesweit ist jedes siebte Kind armutsgefährdet.Thomas Trutschel/photothek.de via www.imago-images.de

Jeder fünfte Mensch in Berlin ist armutsgefährdet – Tendenz steigend. Besonders betroffen sind Kinder, Alleinerziehende sowie Menschen mit Migrationsgeschichte und geringer Qualifikation. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Sozialberichts, den der Berliner Senat gebilligt hat.

In der Hauptstadt sind zudem etwa sieben Prozent der Rentner arm. Der Anteil ist fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Die Armut konzentriert sich in Berlin stark; Brennpunkte sind unter anderem Neukölln, Mitte, Spandau und Marzahn-Hellersdorf. Bei der Kinderarmut gibt es zwar einen Rückgang, doch lebt weiter etwa jedes vierte Kind in einem Haushalt, der Bürgergeld bezieht. In einigen Quartieren ist sogar jedes zweite Kind arm.

Jedes siebte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet

Die Wohnungsknappheit und steigende Mieten verschärfen laut dem Bericht die Lage. Es gibt zum einen viel mehr Wohnungslosigkeit. Und zum anderen gelten rund ein Fünftel aller Haushalte als übermäßig belastet, weil sie mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Bruttokaltmiete abzweigen müssen. Als armutsgefährdet gilt, wessen Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bundesweit ist jedes siebte Kind armutsgefährdet.

Erstmals wurde auch der Reichtum in Berlin mit betrachtet. Rund neun Prozent der Bevölkerung gelten laut dem Sozialbericht als „einkommensreich“; sie wohnen demnach vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Pankow. Zwischen 2015 und 2021 hat sich die Zahl der Spitzenverdiener mit mehr als einer Million Euro Jahreseinkommen fast verdoppelt. Das Vermögen sei „extrem ungleich verteilt“, hieß es in einem Schreiben des Senats. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sagte dazu: „Die soziale Ungleichheit steigt in Deutschland und auch in Berlin. Und die soziale Spaltung ist insgesamt natürlich für den sozialen Frieden nicht so gut.“

Das durchschnittliche Vermögen in Berlin liegt laut dem Bericht bei etwa 57.000 Euro, aber die Hälfte der Bevölkerung besitzt maximal 5600 Euro. Weiter hieß es: „Vermögen konzentriert sich bei Älteren, Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit und hoher Bildung.“ Der Umfang von Erbschaften und Schenkungen sei zwischen 2015 und 2023 ebenfalls deutlich gestiegen, und zwar stärker als im Bundesdurchschnitt. Veröffentlicht wird der neue Sozialbericht voraussichtlich im ersten Quartal 2026.