Ich weiß, im Südwesten der Stadt bibbern und frieren sie und wünschen Schnee und Eis zur Hölle. Von einer Kollegin, die viel vor Ort ist, habe ich gehört, dass sie weinende Helfer draußen im Südwesten der Stadt getroffen hat. Die Lage vor Ort würde sich zwar langsam klären, wäre aber nach wie vor bitter für die Betroffenen.
Und das alles inmitten einer Stadt, die so schön wie lange nicht mehr daliegt. Die wir oft und zu Recht abkanzeln, weil sie sich in den letzten Jahren nicht zu ihrem Vorteil verändert hat – milde gesprochen. Die uns oft sprachlos dastehen lässt, weil ihre Menschen inzwischen so stumpf und unempathisch agieren, dass es ein Jammer ist. Die aber im Notfall durchaus zusammensteht, wenn Verantwortungsträger mal wieder ewig brauchen.
Die Stadt wird leiser, die Kanten weicher
Mir tun die Leute leid, aber ich will mich auch freuen dürfen, denn ich bin ein Winterkind und liebe Schnee. Und ich vermisse ihn zutiefst. Also solchen wie jetzt, nicht diese kurzlebig-braune Pampe, die uns sonst immer zuteilwird: oben hui, unten pfui. Berlin im Schnee, das ist für die im Südwesten eine Zumutung, für andere, die vom Warmen auf Eiskristalle, Schneemänner und weiß getünchte Fassaden schauen, ein Labsal. Die Stadt wird leiser und die Kanten werden weicher.
Ich finde: Man darf, man soll das sogar sehen. Man soll sich darüber freuen. Auch jetzt. Die Psychologie unterstützt mich da; sie sagt etwas, das im öffentlichen Diskurs oft missverstanden wird: Sich auf das Schöne zu konzentrieren heißt nicht, das Schwere zu verleugnen. Es heißt, sich Ressourcen zu sichern, um es auszuhalten.


