Es ist eine riesige Produktion des Staatsballetts Berlin. 141 Menschen werden in „Nurejew“ auf der Bühne der Deutschen Oper stehen. Und es ist eine Sensation, dass dieses vielfach preisgekrönte Ballett über den bedeutendsten Tänzer des 20. Jahrhunderts erstmals außerhalb Russlands auf die Bühne kommt. In Moskau hatte „Nurejew“, choreografiert von Yuri Possochow, komponiert von Ilya Demutsky und inszeniert von dem Regisseur Kirill Serebrennikow, im Dezember 2017 am Bolschoi-Theater Premiere, Serebrennikow saß da bereits in Hausarrest. 2023 wurde das Stück auf politischen Druck abgesetzt. Kirill Serebrennikow verließ Russland bei Ausbruch des Krieges. Wir sprachen ein paar Tage vor der Premiere am 21. März mit ihm über Nurejew und Russland.
Herr Serebrennikow, Sie haben eine lange Geschichte mit „Nurejew“. Im Jahr 2017 haben Sie dieses Ballett für das Bolschoi-Theater in Moskau inszeniert. Was ist Ihre Beziehung zu ihm?
Das war gar nicht meine Idee, das Bolschoi-Theater hat mir diesen Vorschlag gemacht. Mich hat das überrascht, ich war geradezu schockiert. Zu dieser Zeit veränderte sich Russland bereits politisch und sozial, und ich dachte, dass diese Veränderungen nicht geeignet sind für die Darstellung einer Person wie Nurejew. Er war ein Rebell, queer, ein Emigrant – kontrovers in jeder möglichen Weise. Aber das Theater bestand darauf, und ich habe das Angebot angenommen. Das war ein ganz schönes Abenteuer. Ich schlug vor, Schauspieler, Sänger und den Chor des Theaters in die Produktion zu involvieren. Yuri Possochow, Ilya Demutsky und ich hatten bereits bei einem anderen Ballett zusammengearbeitet, darum verstanden wir uns sofort. Wir begannen 2015 an „Nurejew“ zu arbeiten.

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