Theaterkritik

Fremdlinge im Mund: Das Berliner Ensemble zeigt Hölderlins "Antigone"

Leichte Mauern und schwere Sprache: Johan Simons und Johannes Schütz tasten sich durch die Tragödie von Mensch und Prinzip. Die Kritik

Vorabfoto: „Antigone“ von Sophokles, Regie: Johan Simons
Vorabfoto: „Antigone“ von Sophokles, Regie: Johan SimonsJoerg Brueggemann/OSTKREUZ

Was ist das für ein sonderbarer Abend! Da arbeiten sich im Berliner Ensemble drei Schauspieler zwei Stunden lang schweißtreibend an den opaken, brüchigen, dann wieder von Schönheit und Weitsicht leuchtenden Satzkolossen der Hölderlinschen Übersetzung von Sophokles’ „Antigone“ ab, und dann bleibt doch vor allem ein Bild im Gedächtnis: leichtes Schweben. Das Schweben eines plumpen, weißen, mauerartigen Gebildes aus Papier, das wie ein zu groß geratenes Architektur-Mobile an einem viel zu dünnen Faden über der Bühne hängt und sich mit jedem Luftzug der drei drehend in Bewegung setzt.

Berliner Zeitung

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