Theater

Am Deutschen Theater zerlegen Katja Brunner und Pınar Karabulut den misogynen Shakespeare

Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist eine gute Vorlage, um patriarchale Traditionen bewusst zu machen und zu smashen. Ob dabei gutes Theater herauskommt? Die Kritik.

„Der Zähmung Widerspenstigkeit“ im Deutschen Theater. Szene mit Maren Eggert, Lorena Handschin und Katrija Lehmann
„Der Zähmung Widerspenstigkeit“ im Deutschen Theater. Szene mit Maren Eggert, Lorena Handschin und Katrija LehmannEike Walkenhorst

Darf der da hinten eigentlich so lachen? So laut und vorbildlich? Was ist so lustig an Katja Brunners „Der Zähmung Widerspenstigkeit. Verschwörung am Teich“? Der finstere Sarkasmus, mit dem das im Teich ertrunkene Femizidopfer Dorota zur Wiedergängerin von Katharina aus der Shakespeare-Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ erklärt wird und die Bühne bekommt? Übrigens, lieber Lauthalslacher, die Bühne ist vorn, nicht hinten bei dir.

Bist du dir sicher, dass das Pointen sind, über die sich ein Feminist amüsieren sollte? Sind Pointen nicht Ausflüsse paternalistischer Sprachstrukturen? Belachst du die als toxisch vorgeführte, aber doch alternativlose Satzbau-Hierarchie? Freust du dich über die Abkehr von der Tradition, die tragischerweise Bezug nehmen muss auf die Tradition? Merkst du nicht, dass das kein Spiel mehr ist, sondern ein Ritual, das, wenn es gelingt, dich als erstes Zeremonienopfer erwischen wird? Merkst du überhaupt schon was?

Berliner Zeitung

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