In einem offenen Brief haben sich zahlreiche ostdeutsche Kultureinrichtungen an den Mitteldeutschen Rundfunk gewandt und scharfe Kritik an geplanten Kürzungen im Programm geübt. Der vierseitige Brief ist an den MDR-Intendanten Ralf Ludwig adressiert sowie an den Rundfunkrat. Die Unterzeichner – darunter Theater, Opernhäuser, Orchester, Festivals und Verbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – äußern ihre Sorge über die angekündigten Sparmaßnahmen und deren Folgen für die regionale Kulturberichterstattung. Im Besonderen geht es um die geplante Einstellung des Radio-Senders MDR Klassik aus Spargründen.
Zwar nehme man die finanzielle Lage des Senders zur Kenntnis, heißt es in dem Brief, Einsparungen im Programm- und Produktionsbereich träfen jedoch die Zuhörer im Sendegebiet. „Kulturberichterstattung durch öffentlich-rechtliche Medien – konkret in Form von MDR Klassik mit Programmformaten wie dem bereits abgesetzten Opernmagazin, regelmäßigen Theater- und Konzertberichten, Premierenankündigungen, Kritiken und Hintergrundbeiträge – ist für uns kein Luxus“. Die Unterzeichner des offenen Briefs, darunter Daniel Morgenroth, der Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau, verweisen auf den MDR-Staatsvertrag, der die Förderung kultureller Vielfalt und Identität festschreibt.
Ohne regionale Sichtbarkeit: Abwanderung werde verstärkt
Der Brief benennt vier zentrale Funktionen der Kulturberichterstattung: Sie informiere und mobilisiere Publikum, ermögliche kulturelle Meinungsbildung, stärke regionale Sichtbarkeit und nehme zudem Einfluss auf Kulturpolitik und öffentliche Finanzierung. Ohne mediale Sichtbarkeit, so die Warnung der Unterzeichner, sinke die Attraktivität der mitteldeutschen Kulturlandschaft, insbesondere für junge Kunstschaffende, was Abwanderungstendenzen verstärken könne.
