Die Berliner Philharmoniker hoffen in der kommenden Spielzeit auf „Zeichen und Wunder“, so jedenfalls das Biennale-Motto. Es stelle sich die Frage, so Andrea Zietzschmann und Kirill Petrenko in der Programmvorschau: „Was hält uns, was gibt uns Richtung? Sind es Mächte, die womöglich über unser irdisches Dasein hinaus für uns sorgen?“
Die Antwort geben die Intendantin und der Chefdirigent mit einem Programm, das den Zuhörern signalisiert: Fürchtet Euch nicht, wir, die Philharmoniker, geben Euch Halt, zumindest in Eurem irdischen Dasein, in verwirrenden Zeiten!

Das Programm ist eine intelligente Mischung aus Bekanntem und Neuem. Besonders hervorzuheben ist die Aufführung von Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ unter Petrenko. Beethovens Todestag jährt sich am 26. März 2027 zum 200. Mal. Das Gedenken zu seinem 250. Geburtstag war über weite Teile den Corona-Maßnahmen zum Opfer gefallen. Neben der „Missa solemnis“ wird das Quatuor Ébène die Streichquartette geben.
Ganz besonders dürfte die Interpretation der letzten drei Klaviersonaten durch Leif Ove Andsnes werden. Die Philharmoniker werden unter Petrenko die Pastorale spielen, das Chamber Orchestra of Europe die Fünfte. Gustavo Dudamel wird seinen ersten Philharmoniker-Bruckner – die Vierte – dirigieren. Petrenko wird die Saison mit Tschaikowskys Vierter und Elgars Enigma-Variationen eröffnen und mit einer halbszenischen Aufführung von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ der Spätromantik frönen.
Petrenko dirigiert Wagner
Mit dem „Rheingold“ hat Petrenko ja eben erst gezeigt, dass er Wagner völlig neu erschließen kann. Im kommenden Jahr gibt es dann – in der Felsenreitschule bei den Osterfestspielen in Salzburg und konzertant in Berlin – die „Walküre“. Das Bach Collegium Japan unter Masato Suzuki wird in der Reihe „Originalklang“ Bachs Brandenburgische Konzerte geben. Die Moderne ist unter anderem mit Komponistinnen wie Sarah Nemtsov und Lili Boulanger vertreten.
Als Dirigentinnen und Dirigenten debütieren Maxime Pascal, Markus Poschner und Elim Chan. Besonders prägend dürfte der Einsatz von Brett Dean werden, der den Berliner Philharmonikern von 1985 an für 15 Spielzeiten als Bratschist angehörte. Hier wurde er, gecoacht von Simon Rattle, zum Komponisten. Er wird als Composer in Residence wirken, ist als Bratscher zu erleben und wird – in einem weiteren Debüt – seinen ehemaligen Orchesterkolleginnen und -kollegen erstmals als Dirigent begegnen.


