Literaturkritik

Moral ist ein Irrtum: Was man in Stalins Lagern lernen konnte

Matthias Nawrat hat mit „Das glückliche Schicksal“ einen philosophischen Roman über die Illusion von Wille und Individualität geschrieben. Die Kritik

Soldaten der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee am 8. Februar 1945 in Krakau
Soldaten der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee am 8. Februar 1945 in KrakauIMAGO/RIA Novosti

Die praktische Anwendung hat Henryk Michajlowicz Mrugalski, geboren 1918 in dem polnischen Dorf Rozyce, schon durch, als er 1960 in Chicago bei Linda Berger Kurse in Soziokybernetik belegt. „Uns geht es um die Mathematik hinter dem Verhalten von Menschen“, doziert Berger. Nicht das Verhalten des einzelnen Menschen interessiere sie, auch keine moralischen Überlegungen. „Für uns steht fest, dass Menschen sich in Strukturen einfügen, in Rechts-, Wirtschafts- oder Bildungssysteme.“

Es gehe um die Interaktionen von Handelnden in diesen Systemen, die sich mathematisch beschreiben lassen – und zwar „mit den Theorien komplexer Spiele und mit der Funktionsweise von Informationsnetzwerken“. Und noch deutlicher: „Weder Theologie noch Rechtswissenschaften noch Politik können uns helfen, da sie den Menschen als moralisch verantwortliches Subjekt betrachten. Dies jedoch ist ein Irrtum.“

Berliner Zeitung

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