Zwischen Chaos und Ordnung

Wenn Formen kommunizieren und daraus Kunst entsteht

Die Leipzigerin Maja Behrmann versucht zu beweisen, wie sehr alles mit allem zusammenhängt. Eine faszinierende Schau bei Eigen+Art Berlin.

Maja Behrmann: „Ohne Titel (Colli)“, 2025
Lack und Collage auf Leinwand
Maja Behrmann: „Ohne Titel (Colli)“, 2025Lack und Collage auf LeinwandStudio kela-mo/Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Der eigenartige Titel ihrer Ausstellung, die den Galerieraum zum Gesamtwerk macht, ist „Lemmata“. Das kommt vom altgriechischen „Lemma“ und  laut Lexikon bedeutet es eine im Allgemeinen kleinere, bewiesene Aussage, die zum Beweis einer größeren Aussage verwendet wird; in der aktuellen Berliner Maja-Behrmann-Schau offensichtlich jene Aussage, dass im Kleinen wie im Großen alles – irgendwie – zusammenhängt. Ganz simpel etwa: Papier mit Holz, Farbe mit Licht, Form mit Inhalt, Ästhetik mit Funktion. Oder auch: Chaos mit Ordnung.

Wie Gewächse eines surrealen Zaubergartens

Auf den ersten Blick sehen Maja Behrmanns an die Galeriewände, auf Papier oder Holz gemalten Ranken-Gebilde und die an Lampen, Kleiderhaken, Pendel-Instrumente, sogar an Magrittes Pipe erinnernden Formen der Wahl-Leipzigerin Maja Behrmann sehr dekorativ aus – wie seltsam elaborierte Gewächse aus einem surrealen Zaubergarten. Oder wie in schöne Schablonen verwandelte Alltagszeichen, multipel auftretend im Stadtraum, außen wie innen, eine strukturierte Ansammlung von Formen für Bauten, Design, profane Dinge, Florales.

Maja Behrmann: „Ohne Titel (Apro)“, 2025
Lack und Collage auf Leinwand
Maja Behrmann: „Ohne Titel (Apro)“, 2025Lack und Collage auf LeinwandStudio kela-mo/Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Maja Behrmann, Jahrgang 1994, stammt aus Hessen, ging nach Leipzig, absolvierte ihr Malerei-Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Christoph Ruckhäberle, wurde dann Meisterschülerin von Caroline Achaintre an der Burg Giebichenstein Halle. Sie entwickelt ihre lanzen-, tropfen-, rauten- oder kugelförmigen Schemen zu raumgreifenden Tableaus. Alles scheint sich zueinander zu schwingen, sich ineinanderzufügen, das jeweils Andere in Bewegung zu versetzen. Ständig entstehen in diesen farbleuchtend gemalten und von erzgebirgischen Kunsthandwerkern aus Holz filigran gedrechselten und bemalten Gebilden neue Varianten, oft wie poetische „Zwischenformen“. Vertraut und zugleich rätselhaft.

Je nach Blickwinkel entstehen immer neue spielerische Bezüglichkeiten der Objekte und Bilder im Raum. Behrmann schafft lustvoll eine Sammlung von Form-Gefügen, die immer wieder anders zusammengestellt werden. Mitunter erinnern sie, auch ohne Figürliches, nur zu Ballonketten abstrahiert, an die Reigentanz-Scherenschnitte des Franzosen Henri Matisse. Und bisweilen noch mehr an die tänzerischen Collagen des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer.

Maja Behrmann: Formen im Raum, 2026, Ausstellungsansicht
Maja Behrmann: Formen im Raum, 2026, AusstellungsansichtStudio kela-mo/EIGEN + ART Leipzig/ Berlin

Maja Behrmanns Gebilde schließen sozusagen Bekanntschaften, sogar Gemeinschaften. Wie etwa die kleinen Holzskulpturen in einem sich mittels Elektromotor drehenden, dann aber plötzlich stoppenden Karussell. Die Fliehkraft verändert ständig den Standpunkt der als Stehaufmännchen gedrechselten Tropfen-Formen und schleudert sie beim abrupten Halt alle gegen die Barriere. Doch keine fällt um. Nun, Hinfallen wäre keine Schande, nur Liegenbleiben.

Maja Behrmann: Lemmata. Galerie Eigen+Art Berlin, Auguststr. 26., Di–Sa 11–18 Uhr. Bis 28. Februar