Der eigenartige Titel ihrer Ausstellung, die den Galerieraum zum Gesamtwerk macht, ist „Lemmata“. Das kommt vom altgriechischen „Lemma“ und laut Lexikon bedeutet es eine im Allgemeinen kleinere, bewiesene Aussage, die zum Beweis einer größeren Aussage verwendet wird; in der aktuellen Berliner Maja-Behrmann-Schau offensichtlich jene Aussage, dass im Kleinen wie im Großen alles – irgendwie – zusammenhängt. Ganz simpel etwa: Papier mit Holz, Farbe mit Licht, Form mit Inhalt, Ästhetik mit Funktion. Oder auch: Chaos mit Ordnung.
Wie Gewächse eines surrealen Zaubergartens
Auf den ersten Blick sehen Maja Behrmanns an die Galeriewände, auf Papier oder Holz gemalten Ranken-Gebilde und die an Lampen, Kleiderhaken, Pendel-Instrumente, sogar an Magrittes Pipe erinnernden Formen der Wahl-Leipzigerin Maja Behrmann sehr dekorativ aus – wie seltsam elaborierte Gewächse aus einem surrealen Zaubergarten. Oder wie in schöne Schablonen verwandelte Alltagszeichen, multipel auftretend im Stadtraum, außen wie innen, eine strukturierte Ansammlung von Formen für Bauten, Design, profane Dinge, Florales.

Maja Behrmann, Jahrgang 1994, stammt aus Hessen, ging nach Leipzig, absolvierte ihr Malerei-Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Christoph Ruckhäberle, wurde dann Meisterschülerin von Caroline Achaintre an der Burg Giebichenstein Halle. Sie entwickelt ihre lanzen-, tropfen-, rauten- oder kugelförmigen Schemen zu raumgreifenden Tableaus. Alles scheint sich zueinander zu schwingen, sich ineinanderzufügen, das jeweils Andere in Bewegung zu versetzen. Ständig entstehen in diesen farbleuchtend gemalten und von erzgebirgischen Kunsthandwerkern aus Holz filigran gedrechselten und bemalten Gebilden neue Varianten, oft wie poetische „Zwischenformen“. Vertraut und zugleich rätselhaft.
Je nach Blickwinkel entstehen immer neue spielerische Bezüglichkeiten der Objekte und Bilder im Raum. Behrmann schafft lustvoll eine Sammlung von Form-Gefügen, die immer wieder anders zusammengestellt werden. Mitunter erinnern sie, auch ohne Figürliches, nur zu Ballonketten abstrahiert, an die Reigentanz-Scherenschnitte des Franzosen Henri Matisse. Und bisweilen noch mehr an die tänzerischen Collagen des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer.

