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Hier müssen Sie am Wochenende hin: Die Kulturtipps der Redaktion

Diesmal mit Chören im Bahnhof, Literatur im HKW-Garten und Keramik in Friedrichshain

Uroš Pajović/BLZ

Chöre singen im Berliner Hauptbahnhof

Abschied und Ankunft, Aufbruch und Rückkehr – das ist es, was einen Bahnhof ausmacht. Alle hier sind in Bewegung und verstärkt wird die Unruhe durch die ständigen Durchsagen von Gleiswechseln, Verspätungen, einfahrenden Zügen. Man könnte das Ganze als Theaterstück begreifen, den Bahnhof als Bühne, und vielleicht ist es diese Assoziation, die zwölf Berliner Chöre dazu bewogen hat, dem Sound des Bahnhofs ihren eigenen Sound hinzuzufügen. Am Sonntag, 10. September, treten sie hier auf, in verschiedenen Kostümierungen und mit den unterschiedlichsten Liedern aus der klassischen Chorliteratur. Susanne Lenz

Zwölf Chöre im Berliner Hauptbahnhof, 10. September, 12–18 Uhr


Literatur: Ein Fest der Internationalität

Acht Bücher in sechs Sprachen aus sechs Regionen der Welt stehen auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis, den das Haus der Kulturen der Welt und die Stiftung Elementarteilchen an diesem Sonnabend zum 15. Mal verleihen. Von allen sind Auszüge zu erleben. In Deutschland längst durchgesetzte, viel geehrte Autoren sind dabei wie Maria Stepanova und Péter Nádas oder der Prix-Goncourt-Preisträger von 2021, Mohamed Mbougar Sarr. Die Jury wählte genauso Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus, die hierzulande noch auf ein größeres Publikum warten, Verónica Gerber Bicecci etwa oder Cherie Jones.

Die Dichterin Maria Stepanova ist für den Literaturpreis des HKW nominiert.
Die Dichterin Maria Stepanova ist für den Literaturpreis des HKW nominiert.Emmanuele Contini

Mit der Shortlist wurden sie alle schon ein wenig ins Licht gerückt – und mit ihnen die Übersetzer der Texte, denn das ist das Besondere an dieser Auszeichnung: Sie gilt den Schöpfern des Buches im Original und den Erschaffern der deutschen Fassung. Also wird neben Nádas auch Heinrich Eisterer gewürdigt, der den Roman „Schauergeschichten“ aus dem Ungarischen übertragen hat, neben Maria Stepanova auch Olga Radetzkaja, die ihren Gedichtzyklus „Mädchen ohne Kleider“ nachgedichtet hat, ebenso Holger Fock und Sabine Müller als Übersetzer von Sarrs Roman „Die geheimste Erinnerung der Menschen“. 20.000 Euro gehen an den Autor oder die Autorin, 15.000 Euro erhält die Übersetzerin oder der Übersetzer. Die Preisverleihung mit Lesungen, Laudatio und Musik ist ein großes Fest. Cornelia Geißler

Preisverleihung und Party 9. September, 18 Uhr, Forough-Farrokhzad-Garten am HKW, Eintritt frei


Studiogalerie Berlin: Schlussakkord eines Berliner Keramikers

Alles probiert, alles gemacht, alles gegeben: Der Berliner Keramikkünstler Volker Bauer holt noch einmal zum großen Wurf aus – und will danach seine Werkstatt in Prenzlauer Berg schließen. Sein Argument: Er seit 65 geworden und  habe nun genug gedreht, geformt, bemalt. 30 Jahre lang waren seine  schönen, fantasievollen und handwerklich meisterlichen Gebilde, die Gefäße, die Plastiken, die Fayence-Malereinen, farbig und nun zum Schlussakkord in kunstvollem, kontrastreichem Schwarz auf Weiß, in der nunmehr 48-jährigen Studiogalerie in Friedrichshain zu sehen und zu haben.

Wie der Antike entstiegen und zugleich modern: Volker Bauers Keramik
Wie der Antike entstiegen und zugleich modern: Volker Bauers KeramikJan Volker Bauer/Studio Galerie Berlin

Bauer beherrscht sein Handwerk und die alten Techniken perfekt. Er töpfert nicht nur auf der Drehscheibe, sondern er gestaltet figürliche Elemente, als Fayence bemalt und glasiert. Nach dem ersten Brand der Gefäße, dem keramischen Brand bei circa 1150 Grad, folgen die Bemalung und schließlich der Glasurbrand. Die Technik der Fayence-Malerei, eine weiße Grundierung aus Zinnoxid auf Keramik, stammt aus dem italienischen  Faenza und kam um 1650 in Deutschland erstmals zum Einsatz. Kein Pinselstrich darf danebengehen, die Zeichnung auf der weißen Grundierung kann nicht korrigiert werden. Und reizvoll ist zudem, dass Bauer klassische Formen mit modernen Dekoren verziert.

Sein künstlerisches Thema war fast immer die griechische Mythologie, er formte und malte auf den gebrannten Oberflächen geradezu antikische Mischwesen, zog so humorig und lustvoll Parallelen zur Vielfalt der Berliner. Inspiration holte er sich gern auf Märkten und Festen. Mitunter wählt Volker Bauer zusätzlich eine Lüster-Glasur, ein Verfahren, das mit viel Erfahrung verbunden ist, denn es erfordert zum Abschluss einen dritten Brandvorgang. Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Ob er aber tatsächlich aufhört mit dem Formen und Malen? Ingeborg Ruthe

Keramik und Fayencen, Studio Galerie Berlin, Frankfurter Allee 36A, bis 28. Oktober, Di.–Fr. 10–19/ Sa. 10–16 Uhr. Der Künstler ist zu treffen am Freitag, 8. September, 14–19 Uhr und Samstag, 9. September, 10–16 Uhr in der Galerie.


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