Debatte

Wut verboten: Oxford-Elite stellt „Rage Bait“ an den Pranger – was kommt als Nächstes?

Der gute alte Krawalljournalismus hat jetzt einen schickeren Namen: „Rage Bait“ wurde in England zum Wort des Jahres gewählt. Wo kämen wir ohne ihn hin? Ein künstlicher Wutanfall.

Hans-Joachim Heist als Wutbürger Gernot Hassknecht
Hans-Joachim Heist als Wutbürger Gernot HassknechtChristoph Hardt/Imago

Es gibt wenig, was kalmierender auf das Gemüt unseres Lesers wirkt und verlässlicher seinen Gähnimpuls auslöst als die Bekanntmachung von irgendwelchen Wörtern (oder Unwörtern) des Jahres. Wer eine solche Meldung vor der Nase hat oder einen Kommentar dazu, ahnt, dass es offenbar gerade nichts Wichtiges gibt. Sonst würde sich der neuste Pups, mit dem sich unterrepräsentierte Philologen mit ihren stumpfen Schwertern in gesellschaftliche Debatten zu stürzen versuchen, nicht am Contentmarkt durchsetzen. Die Gedanken und Perspektiven mögen oft gar nicht so irrelevant sein. Aber dieses zeremonielle Fischen nach Aufmerksamkeit! Wer fällt noch auf eine Wort-des-Jahres-Meldung rein und klickt? Und dann noch so eine Einleitung … Also, zweiter Anlauf, mit mehr Ausrufezeichen.

Berliner Zeitung

Mit einem Abo weiterlesen

  • Zugriff auf alle B+ Inhalte
  • Statt 9,99 € für 2,00 € je Monat lesen
  • Jederzeit kündbar