Der Soziologe Heinz Bude hat sich in seinem 2024 erschienenen Buch „Abschied von den Boomern“ mit dieser Generation beschäftigt, die viele Junge vor allem als Belastung für das Rentensystem zu sehen scheinen. Die Enkel sind besser dran, als sie denken, sagt Heinz Bude. Wir treffen uns zum Gespräch am Weißen See.
Sie haben sich mal als Frühboomer bezeichnet. Ich bin eine richtige Boomerin und kenne dieses Gefühl, zu viele zu sein, sehr gut. In der Klasse waren wir 40, an der Uni saßen die Leute teilweise auf dem Boden, auf dem Arbeitsmarkt herrschte scharfe Konkurrenz. Und jetzt hat man als Boomer das Gefühl, Teil eines Tsunamis zu sein, der das Sozialsystem unter sich begräbt. Unangenehm, finden Sie auch?
Ehrlicherweise nicht. Im Grunde handelt es sich um eine Überforderungsreaktion, die die Boomer gerade trifft, aber eigentlich richtet sie sich gegen ein System von Verteilung von Lebenschancen. Boomer mussten sehr früh schauen, wie sie durchkommen. Und von Anfang an gab es das Empfinden, dass wir dadurch, dass wir viele sind, in einem Boot sitzen – eine merkwürdige Mischung aus Konkurrenz und gemeinsamer Teilhabe an einem Schicksal. Ich hatte schon mit 23 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter und erinnere mich an eine Einführungsvorlesung in Psychologie, in der 150 Leute saßen. Ich hatte nicht sehr viel mehr Ahnung von der Sache als die, die ich ausbilden sollte. Es gibt Leute, die daran teilgenommen haben und mich heute noch darauf ansprechen.

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