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Da müssen Sie am Wochenende hin: Die Kulturtipps der Redaktion

Das popkulturelle Wochenende diesmal mit einer Schloss-Landpartie, mit koscherem Essen, Bildern gegen Vorurteile und einer queerfeministischen „Zauberflöte“.

Wir haben wie in jeder Woche Tipps zum Wochenende für Sie.
Wir haben wie in jeder Woche Tipps zum Wochenende für Sie.Uroš Pajović / BLZ

„Schatten der Gesellschaft“: Ausstellung mit Zeichnungen von Obdachlosen

Sebastian Lörscher hat die Obdachlosen von Berlin gezeichnet.
Sebastian Lörscher hat die Obdachlosen von Berlin gezeichnet.Benjamin Pritzkuleit

Eigentlich wollte der Zeichner und Autor Sebastian Lörscher ein Buch über Deutschland machen. Im ersten Kapitel „Menschen“ wollte er, Absolvent der Kunsthochschule Weißensee, Menschen am Rand der Gesellschaft zeigen. Menschen, zu denen er sonst keinen Zugang hat. So kam er zu den Obdachlosen, die ihn dann nicht mehr losließen. Das Buch über Deutschland ist ein Buch nur über sie geworden, die Obdachlosen von Berlin. „Schatten der Gesellschaft“ heißt es. Gezeichnet hat Sebastian Lörcher vor allem in der Traglufthalle hinter dem Ring-Center an der Frankfurter Allee und im Kältebahnhof im S-Bahnhof Lichtenberg.

Er hatte schon auch Berührungsängste, Klischees im Kopf, die fast alle haben in Bezug auf diese Menschen: dass sie ein Problem mit Alkohol haben, mit Drogen, psychische Probleme. Das stimmt oft auch, sagt Sebastian Lörscher, nur dass hinter diesen Problemen oft andere Probleme liegen. „Hinter jedem dieser Menschen steckt eine eigene Geschichte.“ Und die erzählt er in seinem Buch „Schatten der Gesellschaft“ (Jaja-Verlag 2022). Und nun gibt es auch eine Ausstellung. Sebastian Lörschers Zeichnungen werden im Wahlkreisbüro der Lichtenberger Abgeordneten Hendrikje Klein (Die Linke) ausgestellt. Am Freitag, um 17 Uhr, ist die Eröffnung, Sebastian Lörscher kommt auch. Susanne Lenz

Schatten der Gesellschaft. Wahlkreisbüro von Hendrikje Klein, Alfred-Kowalke-Straße 14. Die Ausstellung kann montags von 14–18 Uhr, mittwochs von 11–15 Uhr und donnerstags von 10–5 Uhr besucht werden. Sie ist mindestens bis zum Herbst zu sehen.


Mit den Künstlerinnen von Endmoräne zum Schlossgut Finowfurt

Antje Scholz, Künstlerin aus dem Oderbruch, zeichnet ihr Kunstwerk „Friedensbringer“ an eine Wand im Schlossgut Finowfurt.
Antje Scholz, Künstlerin aus dem Oderbruch, zeichnet ihr Kunstwerk „Friedensbringer“ an eine Wand im Schlossgut Finowfurt.Patrick Pleul/dpa

Jedes Jahr kann man mit den Künstlerinnen des Endmoräne e.V. einen anderen Ort in Brandenburg entdecken. In diesem Jahr ist es das Schlossgut Finowfurt, das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und 1916 von der Familie von Arnim erweitert wurde. Von 1954 bis zur Wende wurden seine Flächen als Volkseigenes Gut Finowfurt bewirtschaftet. Nach einigen Jahren der Zwischennutzung durch die Gemeinde stand das Gebäude seit 1998 leer.

Seit 2020 wird das Schlossgut jedoch wieder zum Leben erweckt. Hier soll ein Mehrgenerationenquartier entstehen, samt Boutique-Hotel, Gastronomie, Veranstaltungsort und Hofladen. Neben dem Schloss umfasst das Gelände am Finowkanal Scheune, Stall und Bunker sowie über zwei Hektar Wald mit einem Teich. Thema der diesjährigen Ausstellung „Kurzschluss“ ist Energie. Für drei Wochenenden verwandeln die Künstlerinnen das Schlossgut in einen Ausstellungsort, beziehen sich mit ihren Installationen, Zeichnungen, Filmen, Objekten, Klangarbeiten und Performances auf diesen Ort. Susanne Lenz

Kurzschluss. Schlossgut Finowfurt, Schlossgutsiedlung 9, 16244 Schorfheide. Öffnungszeiten: 24./25. Juni, 1./2. Juli, 8./9. Juli, jeweils 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro (Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre). Anfahrt: Bus 910 von Eberswalde Hbf nach Finowfurt, Haltestelle Fachmarkt (Fahrtzeit 15 Minuten)


Koscher essen

Am Sonntag bitte nur leicht oder erst mal gar nicht frühstücken! Im Hof der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße kann man sich ab 11 Uhr beim 2. Koscheren Streetfood-Festival den Bauch vollschlagen. Zahlreiche Foodtrucks bieten laut der Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die „ganze Palette der jüdischen Küche“: Sabich, Falafel, Tel-Aviv-Bowl und vieles mehr, dazu erfrischende Limonaden, israelische Biere und Weine.

Jumbo Schreiner wird das Streetfood-Festival moderieren
Jumbo Schreiner wird das Streetfood-Festival moderierenJumbo Schreiner CC BY-SA 3.0

Garniert wird das Ganze mit einem Unterhaltungsprogramm mit Live-Musik zum Beispiel von der Jats-Bande, Puppen- und Zaubershow und Tombola, präsentiert von dem Schauspieler, Moderator und Vorkoster, pardon, Food-Tester Jumbo Schreiner, bekannt aus dem ProSieben-Infotainmentmagazin „Galileo“. Das Ganze ist im doppelten Sinn als Vorgeschmack zu verstehen auf die Jüdischen Kulturtage, die vom 5. bis 14. September stattfinden werden. Ulrich Seidler

Koscheres Streetfood-Festival. 2. Juli, 11–21 Uhr, Hof der Synagoge Oranienburger Straße Str. 28-31, Eintritt frei


Die Schlangenknaben: „Flötenzauber“, zart nach Mozart

Wer eine extracoole Mozart-„Zauberflöte“ samt crazy Live-Animation sehen wollte, war in den letzten Jahren in der Komischen Oper goldrichtig. Die Komische Oper ist nun erst mal wegen umfangreicher Reparaturarbeiten geschlossen, aber das heißt wohl nicht, dass man auf die extracoole „Zauberflöte“ verzichten muss. Die Schlangenknaben (entgegen dem leicht irreführenden Namen eine queerfeministische Band, mit Wurzeln in der Performancekunst) jedenfalls haben es sich zur Aufgabe gemacht, die „Zauberflöte“ mit Witz zu dekonstruieren für ihr Stück „Flötenzauber. Oper opfern, zart nach Mozart“.

Die Schlangenknaben selbst sprechen von „queerer Sabotage der chauvinistischen, rassistischen Narrative von Mozarts ‚Zauberflöte‘ mit elektronischen Beats und drei Knaben in einem glitzerndem Schlangennest“. Eine progressive Electropop-Flöte also. Eine klassische „Königin der Nacht“-Arie sollte man vermutlich nicht erwarten, aber frisch klingt der Ansatz auf jeden Fall. Stefan Hochgesand

Theater Aufbau Kreuzberg. Prinzenstraße 85f, Freitag, 23.6., 19 Uhr, 18 erm. 12 Euro


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