Die Opern Georg Friedrich Händels, überhaupt die Opern des Barock, sind an der Deutschen Oper Berlin nicht heimisch, zu groß ist das Haus, zu sehr dem 19. und 20. Jahrhundert verpflichtet sein Orchester. Wenn dann auch noch eine Inszenierung des „Giulio Cesare in Egitto“ auf dem Programm steht, die vor 21 Jahren für Glyndebourne entstanden ist, wuchern dem Rezensenten die Fragezeichen im Gesicht: Warum dieses Stück hier, warum in einer so alten Version? Am Ende des viereinhalbstündigen Abends sind die Fragezeichen weitgehend gelöscht, ein wenig durch die Erschöpfung, vor allem aber vor Glück.
David McVicar hat sich von Robert Jones eine Säulenhalle mit Blick aufs Meer bauen lassen, in den Kostümen von Brigitte Reiffenstuel treten statt Römern britische Soldaten mit Tropenhelmen und statt Ägyptern Osmanen auf, es atmet ein bisschen Lawrence-von-Arabien- und Serail-Atmosphäre, und wenn Cleopatra als Flapper der 20er-Jahre auftritt, dann gehört das ebenso zur angespielten Zeit wie zu ihrem emanzipatorischen Charakter, will sie doch ihren Bruder als König von Ägypten – oder von was auch immer – entthronen.

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