Kolumne

Zug nach Berlin: Was geht da ab in der Beziehung zwischen Flixtrain und der Deutschen Bahn?

Die Zugfahrt fing gut an, doch dann kam ein außerplanmäßiger Halt nach dem nächsten. Schließlich gingen unserem Zugbegleiter die Nerven durch, er wurde zum Blame-Shifter.

Christian Charisius

Der Flixtrain auf dem Weg nach Berlin verließ Heidelberg so gut wie pünktlich, nämlich zwei Minuten nach der im Fahrplan angegebenen Zeit. Da ist man ja schon dankbar. Bis Darmstadt hatte der Lokführer die Verspätung nicht nur aufgeholt, sondern den Fahrplan sogar überholt. Wir erreichten den Bahnhof ein paar Minuten zu früh und ein gut gelaunter Zugbegleiter ermunterte die Fahrgäste, doch eine Raucherpause einzulegen oder sich was Süßes zu holen, bevor man die Fahrt in die „Mudderstadt“ fortsetze. „Mutterstadt“, ich war beeindruckt. War der Lokführer des Altgriechischen mächtig? Metropole bedeutet nichts anderes. Ich musste mir dieses Wissen allerdings ergoogeln.

Irgendwann hinter Frankfurt-Süd wurde unser Zug langsamer, bis er inmitten von abgeernteten Feldern zum Stehen kam. Umgehend schallte die Durchsage durch unseren Waggon: Dies sei ein außerplanmäßiger Halt, vor uns auf dem Gleis befinde sich ein ICE der Deutschen Bahn. Zu unserer Sicherheit würden die Türen geschlossen bleiben. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis die Fahrt weiterging.

Oha, was geht in der Beziehung von Flixtrain und Deutscher Bahn ab

Es sollte nicht der einzige außerplanmäßige Halt auf der Fahrt nach Berlin bleiben und der Ton der Ansage wurde immer genervter, der Zugbegleiter berlinerte auch immer deutlicher. Schließlich verlor er die Nerven: Schon wieder müsse man außerplanmäßig zum Halten kommen, denn „vor uns schleicht immer noch dieser ICE herum“. Oha, was geht da ab, fragte ich mich. Handelte es sich hier um einen Blame-Shifter?

Wer mal in einer toxischen Beziehung war, in der der Partner immer die Schuld von sich abwälzen wollte, weiß, wovon ich spreche. Nun ist es also in der Beziehung von Flixtrain und der Deutschen Bahn so weit. Pikant, dass es ausgerechnet der schnellste aller Züge war, der uns zum Langsamfahren und immer wieder zum Halten zwang. Wir kamen mit der moderaten Verspätung von 20 Minuten in Berlin an, waren Flixtrain dankbar und sauer auf die Deutsche Bahn. Ziel erreicht, würde ich sagen.


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