Treffpunkt Obsttheke in Berlins Supermärkten. Und der Blick bleibt bei den Schalen mit den Erdbeeren aus Deutschland hängen. Um genau zu sein: beim Preisschild. Dort steht die magische Zahl von zehn Euro für das Kilo. „Ein Wahnsinnspreis“, findet auch der Verkäufer. „Ich würde die nicht kaufen“, sagt er noch in einem Nebensatz.
Erdbeeren sind mittlerweile nahezu das ganze Jahr über erhältlich – möglich macht das der Anbau in südlichen Ländern. Dort wird die beliebte rote Frucht im großen Stil auf weitläufigen Feldern kultiviert, zur frühen Reife gebracht, geerntet und anschließend exportiert. Fachleute sprechen deshalb von einem zweigeteilten Markt: Während importierte Erdbeeren schon lange vor Saisonbeginn in den Regalen liegen, gibt es die ersten heimischen Früchte in Deutschland meist erst Ende April.
Geografische Gründe nehmen Einfluss auf den Preis
Das hat vor allem geografische Gründe: Während in Südeuropa die Sonne oft verlässlich scheint, müssen deutsche Produzenten mit Regen, Hagel und Frost umgehen. Deshalb wird die Erdbeere geschützt angebaut – unter Folie, in Tunneln und mithilfe moderner Technik. Hinzu kommt die Handarbeit: bücken, pflücken, sortieren, stapeln. Jede Beere geht durch viele Hände. Und diese Arbeit ist inzwischen deutlich teurer geworden. Auch Kühlung, Verpackung und Transport schlagen zu Buche. All diese zusätzlichen Kosten wirken sich spürbar auf den Kilopreis aus.
Zum Saisonstart ist die Menge an Erdbeeren aus deutschem Anbau noch gering. Und wie so oft gilt: Kleine Mengen bedeuten hohe Preise. Das zeigt sich auch bei Karls Erdbeerhof am Rand von Berlin. Dort kostet die 250-Gramm-Schale zum Saisonbeginn erneut 3,30 Euro – umgerechnet 13,20 Euro pro Kilo. Erst in der Hauptsaison, wenn deutlich mehr heimische Erdbeeren auf den Markt kommen, dürfte der Preis sinken. Dann ist von rund 8,90 Euro pro Kilo die Rede.
Billigware aus dem Süden
Im Vergleich zu spanischer Importware ist das allerdings noch immer deutlich teurer. Das zeigen auch Zahlen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI): Demnach kostete ein Kilo konventioneller Erdbeeren im Discounter Anfang des Monats zwischen 2,98 und 5,55 Euro. Markenware lag hingegen teilweise bei bis zu 6,98 Euro pro Kilo.
Eine Annäherung der Preise wird es auch künftig nicht geben. Zu ungleich sind die Voraussetzungen. Denn während im Süden Europas die Zahl der Erdbeerfelder noch zunimmt, schrumpft die deutsche Erdbeerfläche seit Jahren. Nach Aussage des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wurden 2025 Erdbeeren in Deutschland auf 12.720 Hektar angebaut. Die ertragsfähige Freilandfläche lag bei rund etwas mehr als 8000 Hektar. „Damit hat sich die Freilandfläche gegenüber 2013 fast halbiert“, teilt das Ministerium mit. Tendenz weiter fallend. Als Gründe für den Rückgang werden unter anderem gestiegene Produktionskosten und die Preisentwicklung angegeben. Es ist schlicht unattraktiv, im großen Stil auf Erdbeeren zu setzen.


