Neuralink, das Unternehmen von Elon Musk, das Gehirnimplantate erforscht und entwickelt, zeigte am Mittwoch in einem Video den ersten Patienten, dem ein solches Gerät ins Gehirn implantiert wurde: „Neuralink bei der Demonstration von Telepathie“, postete Elon Musk auf X.
Im rund neun Minuten langen Video, das sofort viral ging, ist der 29-jährige US-Amerikaner Noland Arbaugh, der seit einem Tauchunfall im Jahr 2016 querschnittsgelähmt ist, zu sehen, wie er einen Mauszeiger bewegt und damit eine Schachpartie spielt. Alles wird dank des Gehirnimplantats gesteuert. Gemeinsam mit einem Neuralink-Ingenieur beschreibt Arbaugh, wie das Implantat sein Leben verändert habe – zum Beispiel, dass er es geschafft habe, das Videospiel „Civilization VI“ acht Stunden lang ohne Unterbrechung zu spielen, bevor der Akku des Systems leer war.
Neuralink verwendet kabelloses Laden für das Implantat, welches aus einem kleinen, in den Schädel eingesetzten Gerät besteht, von dem aus Elektroden in das Gehirn eingeführt werden.
Gegen Ende des Videos deutet Arbaugh darauf hin, dass der Weg noch lang sei: „Es ist nicht perfekt“, gibt er zu, er sei in den ersten Wochen auf „einige Probleme“ gestoßen, die er allerdings nicht näher erläuterte.
„Ich will nicht, dass die Leute denken, dass dies das Ende der Reise sei, es gibt noch viel zu tun“, so Arbaugh weiter, der mehrfach betonte, dass die neue Technologie sein Leben „verändert“ habe. Die Operation sei zudem „super einfach“ gewesen: „Ich wurde buchstäblich einen Tag später aus dem Krankenhaus entlassen. Ich habe keine kognitiven Beeinträchtigungen“, berichtet Arbaugh weiter.
Neuralink: Warum Wissenschaftler skeptisch sind
Doch ob wirklich alles „so einfach“ sei, darüber haben Neurowissenschaftler und Forscher seit den ersten Ankündigungen von Neuralink Zweifel geäußert.
Am 28. Januar war Arbaugh der erste Mensch weltweit, dem Neuralink ein Hirnimplantat eingesetzt hatte, nachdem das Unternehmen jahrelang Tests an Tieren durchgeführt hatte. Bereits in dieser ersten Phase war Neuralink wegen seines Umgangs mit Affen in die Kritik geraten. Geleakte Dokumenten hatten offenbar gezeigt, dass den Tieren schwere Verletzungen am Gehirn zugefügt wurden – woran viele gestorben seien.
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Im vergangenen Mai hatte Neuralink von der Food and Drug Administration (FDA), der US-Bundesbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Genehmigung erhalten, auch an Menschen zu testen. Etwa vier Wochen nach dem erfolgreichen Eingriff hatten Forscher und Neurowissenschaftler im renommierten Fachmagazin Nature „Sorgen“ über den Zustand des Patienten – sowie über die intransparente Kommunikation des Unternehmens gemeldet.
Neuralink-Video: Wirklicher „Durchbruch“ oder nur PR durch Elon Musk?
Gerade der unorthodoxe Kommunikationsstil von Neuralink, besonders des Firmengründers Elon Musk, betrachten Wissenschaftlern kritisch. „Was mich wirklich verwirrt, ist nicht die Technologie selbst, sondern die Art und Weise, wie wissenschaftliche Fortschritte kommuniziert werden“, hatte etwa Marcello Ianeca, Professor für Künstliche Intelligenz und Neuroethik an der Technischen Universität in München, gegenüber der Zeitschrift Forbes gesagt. Diese würden über „gelegentliche Updates in den sozialen Medien“ verbreitet und nicht über die traditionellen Kanäle der Wissenschaft, „wie etwa Veröffentlichungen mit Peer-Review.“ Auch wenn es nicht illegal sei, dass Neuralink seine klinische Studie nicht registriert habe, so Ianenca weiter, verstoße diese Vorgehensweise „gegen grundlegende ethische Richtlinien für die biomedizinische Forschung.“

Auch darüber, inwiefern es sich beim schachspielenden Patienten über einen richtigen wissenschaftlichen „Durchbruch“ handele, herrschen in der Wissenschaftscommunity erhebliche Zweifel: Kip Ludwig, Experte für Biomedizin und ehemaliger Programmdirektor der US-Forschungsbehörde National Institute of Health, zeigte sich skeptisch: Neuralink sei „kein klarer Durchbruch im Vergleich zu dem, was andere bisher gezeigt haben, aber es ist sicherlich ein guter Ausgangspunkt“.
