Kolumne „Die Woche auf dem Boulevard“

Helene Fischer: Stampft sie noch oder singt sie schon?

Kim Kardashian liebt neu (oder auch nicht), Ed Sheeran verstört mit Körperkunst und Chris Pratt mit seiner Liebe: die Woche auf dem Boulevard mit Anja Rützel.

Helene Fischer: wummsende Rhythmusmaschine und/oder Schlagersängerin?
Helene Fischer: wummsende Rhythmusmaschine und/oder Schlagersängerin?dpa

Berlin-Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Der Schauspieler Chris Pratt. Der feierte seine Frau Katherine, die Tochter von Arnold Schwarzenegger, in einem extrem unangenehm zu lesenden Instagram-Post vor allem dafür, dass sie ihn wahnsinnig toll finde und ihn dackelhaft anhimmle: „Ihr Herz ist rein und es gehört mir“, schrieb Pratt und bescheinigte Katherine gönnerhaft, für ihn fast so wertvoll zu sein wie seine liebste Baseball-Sammelkarte. Wenn man Humor hasst, kann man das vielleicht als Witz lesen – aber obendrein dankte Pratt seiner Frau dafür, ihm eine „wunderschöne gesunde Tochter“ geschenkt zu haben, und das kann man kaum anders lesen denn als geschmacklosen Seitenhieb gegen seine Ex-Frau Anna Faris. Der gemeinsame, heute neunjährige Sohn Jack, den Pratt mit ihr hat, kam zu früh zur Welt und hat heute noch mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen.

Sie haben ja auch öfters mal lebhafte Träume, in denen Promis mitspielen. Haben Sie – wie der Schauspieler Kal Penn – auch schon mal geträumt, dass sie heiraten und die Zeremonie von einem Promi vollzogen wird?

Leider nein, obwohl ich seinen Traum sehr plausibel finde: Er hatte vorher mit der Rapperin Cardi B im selben Flugzeug gesessen und hatte dann, zu Recht bewegt von diesem Ereignis, eben besagten Traum, in dem sie seine Eheschließung vollzieht. Das erzählte Penn am Mittwoch prompt auf Twitter, und richtig lustig wurde es, als Cardi B ihm antwortete, sie könnte das gern auch wirklich in die Tat umsetzen, da sie über ein entsprechendes Zertifikat verfügt. Bevor Sie fragen – meine Traumhochzeit müsste idealerweise von Gary Barlow abgewickelt werden, er beherrscht, wenn er will, exakt diesen salbungsvollen Tonfall, der zu einem solch realitätsfernen Anlass einfach sehr gut passt. Nur der adäquate ideale Ehemann müsste noch aufgetrieben werden.

Wie finden Sie denn Pete Davidson? Also rein theoretisch, die Indizien mehren sich ja, dass der Komiker gerade mit Kim Kardashian anbandelt.

Oh ja, die beiden „heizen Liebesgerüchten an“, wie wir Promibeschauer im Fachjargon sagen. Augenscheinlich hat Davidson ja wirklich einen Schlag bei High-profile-Promifrauen, er war schon mal mit Ariana Grande verlobt. Und er dürfte sich von eventuell etwas anstrengenden Familienmitgliedern nicht abschrecken lassen. Gut für Kim, denn Davidson war auch schon mal mit Cazzie David liiert, der Tochter des „Seinfeld“-Erfinders Larry David, den ich wegen seiner herausragenden Serie „Curb your enthusiasm“ für den witzigsten, aber möglicherweise nicht unkompliziertesten Menschen überhaupt halte. Ich könnte mir allerdings tatsächlich eher vorstellen, den zu heiraten als Davidson. Unsere Ehe wäre sicher, wie wir Celebrity-Watcher sagen: turbulent.

Ed Sheeran gewährt in seinem neuen Musikvideo einen Blick auf seinen nackten Rücken – und auf ein ziemlich merkwürdiges Tattoo: Ihn zieren rückseitig vier massive Bilderrahmen.

Nun bin ich als Person, die sich ein Porträt ihres Hundes auf den Unterarm tätowieren ließ, vielleicht nicht qualifiziert, die Nadelkunst auf anderer Leute Leiber zu beurteilen, aber ich finde das etwas seltsam. Ein Rahmen ist schon mit tätowierten Babyfüßchen gefüllt, denen von Sheerans Tochter Lyra. Vielleicht sind die Rahmen einfach ein Merkzettel, wie viele Kinder er sich noch wünscht.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie immer kann man das wirklich verbürgt nicht wissen, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass sie immer noch über die perfekte Antwort auf eine Frage nachdenkt, die der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ihr vergangene Woche in einem Interview stellte. Was denn immer dieser „Stampf“ im Schlager solle, wollte di Lorenzo von ihr wissen, diese wummsenden Rhythmusmaschinen, und ob sie denn inzwischen nicht „stark genug“ sei, um diesen Stampf wegzulassen? Fischer antwortet eher ausweichend. Vielleicht werden wir uns wirklich eines Tages verwundert die Ohren reiben und wie das kartoffelbreisüchtige Kind in dieser alten Fernsehwerbung fragen: „Wie, Helene stampft nicht mehr?“

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über  Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.

Dieser Text ist in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung erschienen – jeden Sonnabend am Kiosk oder hier im Abo.