Der Maschinen- und Anlagenbau, einer der wichtigsten Industriezweige Deutschlands, meldet einen überraschend hohen Auftragsrückgang. Die Bestellungen sanken laut dem Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) insgesamt real um zwölf Prozent zum Vorjahr, wobei aus dem Inland 16 Prozent weniger Aufträge kamen und das Auslandsgeschäft ein Minus von elf Prozent verbuchte.
In den Zahlen noch nicht enthalten sind die Folgen des Iran-Krieges, die der Branche zusätzlich Sorge bereiten. VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt sagte der Berliner Zeitung: „In unserer jüngsten Konjunkturumfrage im März 2026 hat sich sowohl die Lage als auch der Ausblick eingetrübt. Die Unsicherheit nimmt zu.“ Zwar sei der Maschinenbau „direkt weniger abhängig von der physischen Verfügbarkeit von Öl und Gas, die auch in Deutschland nicht gefährdet ist“. Doch es gebe eine „indirekte Betroffenheit“. Gernandt: „Höhere Energiepreise erhöhen die Inflation, dies wird unweigerlich zu höheren Zinsen führen, diese wiederum zu Investitionszurückhaltung, und das ist schlecht für den Maschinen- und Anlagenbau als Investitionsgüterindustrie.“
Hinzu kämen „Effekte in der Lieferkette bei Koppelprodukten von Öl und Gas wie zum Beispiel Helium und Stickstoffen, die noch nicht absehbar sind“. Die weitere Entwicklung hänge „von der Dauer des Iran-Konflikts ab und davon, ob Produktionsanlagen und Transportwege in der Region nachhaltig beschädigt werden“. Konkret sei „der Maschinenbau selbst nicht energieintensiv“. Doch seien „wichtige Kundenbranchen wie die Chemie-Industrie stark betroffen, sodass der Maschinenbau indirekt auch betroffen“ sei.
Der VDMA-Chefvolkswirt will die gegenwärtige Lage nicht dramatisieren: „Der Iran-Konflikt ist ein externer Schock. Steigende Preise zeigen Knappheiten an und gehören zu einer Marktwirtschaft. Jetzt viel Geld mit der Gießkanne im ganzen Land zu verteilen, wäre der falsche Weg. Wenn, dann muss den wenigen wirklich schwer betroffenen Haushalten konkret geholfen werden.“
Doch gebe es Probleme in Deutschland, die dringend gelöst werden müssten. Viel wichtiger als kurzfristige Maßnahmen sei für die Industrie, „dass die Bundesregierung strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland ergreift“. Man warte „auf den versprochenen Sommer der Reformen“, sagt Gernandt in Anspielung auf den angekündigten, jedoch ausgebliebenen Reform-Herbst.
Sollten die Reformen nicht kommen, wäre die Branche gezwungen, auf der Kostenseite zu reagieren. Im Jahr 2025 wurden bereits 22.000 Mitarbeiter abgebaut, das sind etwa zwei Prozent. Auch für dieses Jahr erwartet die Branche weitere Stellenstreichungen. Ob es außerdem zu Produktionsverlagerungen kommt, ist unklar: „Aktuell warten die meisten Unternehmen ob der Unsicherheit ab“, erklärt der VDMA-Chefvolkswirt.
Am Beispiel der USA zeigt sich, wie sich die Lage verschiebt: Die Exporte in die USA sind im Vergleich von 2025 zu 2024 nominal um acht Prozent zurückgegangen. Das ist ein Problem, denn „die USA bleiben unser wichtigster Exportmarkt“, betont Gernandt. Ein Hemmnis sei derzeit „die Verunsicherung über die Zölle, insbesondere die anteiligen Stahl- und Aluminiumzölle“.
Hier wäre der Branche „sehr geholfen, wenn wir ein neues Gleichgewicht erreichen, das uns Planungssicherheit gibt“. Grundsätzlich seien die deutschen „Produkte wettbewerbsfähig in den USA und die Amerikaner auf sie angewiesen“. Wenn die Rahmenbedingungen in Deutschland jedoch nicht besser würden, dürfte es auch zu Abwanderungen kommen – wie Präsident Donald Trump sich das wünscht. Die USA seien „ein interessanter Markt, den immer mehr Mitglieder auch von vor Ort aus bedienen, wobei wir hier eher Erweiterungsinvestitionen als Verlagerungen aus Deutschland sehen“, schildert der Ökonom.
Hoffnung macht der Branche die Entwicklung in Südeuropa. Die Exporte nach Italien sind im Jahr 2025 um 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die nach Spanien um 8,4 Prozent. Die Exporte nach Frankreich gingen dagegen um 4,1 Prozent zurück, die nach Österreich sanken um sechs Prozent. Im Februar verzeichneten die Aufträge aus den Euro-Partnerländern einen Zuwachs von sechs Prozent, während aus den Nicht-Euro-Ländern 17 Prozent weniger Bestellungen kamen.
