1956, vor genau 70 Jahren, in einem Beratungsraum im Kanzleramt: Bundeskanzler Adenauer und sein Berater Professor Schreiber diskutieren über die Rente. Seit Bismarck kapitalgedeckt. Sie sind sich einig, dass dieses System nach der Hyperinflation von 1923 und der Währungsreform von 1948 mit Vermögensentwertung von 10:1 nicht mehr haltbar ist. Die Rente reicht zum Leben nicht. Wilfried Schreiber empfiehlt ein neues System: umlagefinanziert, mit Generationenvertrag. Und an die Löhne gekoppelt. So gilt er bis heute als der „Vater der dynamischen Rente“.
Adenauer ist einverstanden. Wer arbeitet, finanziert die, die nicht mehr arbeiten. Das passt, meint er, das sei fair und solidarisch. Doch Schreiber insistiert: Abgesichert werden müssten auch jene, die noch nicht arbeiten – Kinder und Jugendliche. Sie abzusichern, dürfe keine reine Privatangelegenheit, sondern müsse der Gemeinschaft und dem Staat ein Anliegen sein. Sonst stünden Eltern schlechter da. Und gerade das dürfe nicht sein. Wenn Umlage, dann Drei-Generationen-Vertrag mit zwei Renten: keine Altersrente ohne Kinderrente! Das System müsse zwingend auf zwei Beinen stehen.

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