Finanzen

Fallende Messer: Hat der große Bitcoin-Crash begonnen?

Der Bitcoin-Kurs stürzt ab. Soll man nun fliehen und ins fallende Messer greifen - oder gar kaufen? Und was hat Jeffrey Epstein mit Krypto zu tun?

Auch aus der Szene kommen besorgte Aussagen über die Entwicklung des Bitcoin-Kurses.
Auch aus der Szene kommen besorgte Aussagen über die Entwicklung des Bitcoin-Kurses.dpa

Der Bitcoin-Kurs setzte am Mittwoch seinen Abwärtstrend fort. Zu Beginn des Handels in New York gab der Kurs um ein Prozent nach. Um 18.35 Uhr MEZ war der Kurs auf 61.485,72 Euro gefallen, das ist ein Minus von 4,02 Prozent. Die Währung ist damit seit ihrem Höchststand im Oktober um 40 Prozent gefallen. Um 21.45 Uhr betrug der Verlust 2,70 Prozent, um 22.56 Uhr fiel der Kurs um 4,47 Prozent auf 61.226,09 Euro.

Ethereum gab am Mittwochnachmittag um 4,47 Prozent nach. Krypto-Assets haben laut Bloomberg seit dem Höchststand 1,7 Billionen US-Dollar an Wert verloren.

Viele fragen sich. Ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um einzusteigen? Denn viele Beobachter hielten die Rekord-Werte der vergangenen Monate für überzogen.  Allerdings ist nicht klar, wie weit es noch nach unten gehen kann. Der Analyst Mike McGlone sieht Parallelen zur Finanzkrise von 2008 und erwartet, dass das Jahr 2026 ähnlich turbulent wird. Der Bloomberg-Analyst sagte auf Cointelegraph, Bitcoin könnte auf 10.000 Dollar abstürzen, was einem Rückgang von 87 Prozent entspräche.

Das Börsen-Forum Wallstreet Online titelt am Mittwochnachmittag: „Blutroter Markt, 468-Milliarden Crash: Bitcoin kämpft ums Überleben – fällt jetzt die 60.000er-Bastion?“

Tatsächlich mehren sich die Anzeichen, dass sich Anleger im Krypto-Segment auf eine anhaltende kritische Phase einstellen müssen. Michael Burry, der durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008 bekannt geworden war, warnt laut Bloomberg davor, dass sich der Bitcoin-Kurssturz zu einer sich selbst verstärkenden „Abwärtsspirale“ ausweiten könnte.

Welche Rolle spielte Jeffery Epstein in der Krypto-Szene?

Für Interesse sorgten am Mittwoch Nachrichten, dass Jeffrey Epstein offenbar eine besondere Nähe zur Krypto-Szene hatte. Trading Views schreibt: „Neu veröffentlichte E-Mails des US-Justizministeriums deuten darauf hin, dass Jeffrey Epstein, der verstorbene Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter, über Zwischenhändler Zugang zu frühen Investitionen in Kryptowährungsunternehmen erhielt, darunter Berichten zufolge auch eine Beteiligung an Coinbase.“ Epstein könnte 2014 demnach 3,25 Millionen US-Dollar in die Kryptowährungsbörse Coinbase investiert haben, wie aus Unterlagen hervorgeht, die vom US-Justizministerium (DOJ) veröffentlicht wurden.

Der Standard erinnert an Recherchen der New York Times und von Wired aus dem Jahr 2019. Damals habe sich gezeigt, dass „Jeffrey Epstein kein bloßer Beobachter, sondern ein aktiver Netzwerker in der Frühphase der Krypto-Szene war“, so der Standard. Das renommierte MIT Media Lab fungierte demnach „unter seinem damaligen Direktor Joi Ito als eine Art akademischer Waschsalon für Epsteins Reputation und sein Geld“: „Epstein schleuste anonyme Spenden in Projekte, die sich mit dezentralen Währungen und Verschlüsselungstechnologien befassten.“ Für die Krypto-Branche, die „nach wissenschaftlicher und institutioneller Legitimität suchte, war die Nähe zum MIT Gold wert“.

Bitcoin – eine reine Spekulation?

In einem Substack-Beitrag vom Montag schreibt Burry, dass sich Bitcoin als rein spekulatives Anlagegut entpuppt und es versäumt habe, sich als Absicherung gegen Wertverluste – ähnlich wie Gold – zu etablieren. Weitere Verluste, so Burry, könnten die Bilanzen großer Investoren belasten, Verkäufe im gesamten Krypto-Ökosystem erzwingen und eine weitverbreitete Wertvernichtung auslösen. „Erschreckende Szenarien sind nun in greifbare Nähe gerückt“, schreibt Burry. Sollte Bitcoin um weitere 10 Prozent fallen, würde Strategy Inc., der weltweit größte Krypto-Verwalter, Milliardenverluste verzeichnen und „praktisch die Kapitalmärkte zum Erliegen bringen“. Weitere Kursverluste, so hieß es, würden Bitcoin-Miner in den Bankrott treiben.

Bitcoin im tiefen Krypto-Winter?

Bitwise-CIO Matt Hougan schreibt auf X: „Warum fallen die Kryptopreise trotz der vielen positiven Nachrichten zu Akzeptanz, Regulierung und anderen Fortschritten? Weil wir uns mitten im Krypto-Winter befinden. Warum ist der Krypto-Angst- und Gierindex auf einem Allzeithoch, obwohl der neue Fed-Chef ein Bitcoin-Fan ist? Weil wir uns im Krypto-Winter befinden.“ Wer die Krypto-Szene in vergangenen Wintern – ob 2018 oder 2022 – verfolgt habe, der wisse: „Gute Nachrichten sind im tiefsten Winter bedeutungslos. Wir werden keine Rallye erleben, nur weil die Wall Street massiv Personal einstellt oder Morgan Stanley sein Krypto-Engagement ausbaut. Das mag langfristig wichtig sein, aber nicht jetzt. Krypto-Winter enden nicht mit Begeisterung, sondern mit Erschöpfung.“

Krypto und Quantencomputer

Eine konkrete Bedrohung für Bitcoin und die Krypto-Szene ergibt sich durch die rasante Entwicklung bei Quantencomputern. Zwar dementierte Galaxy Digital, ein führendes Krypto Unternehmen, am Mittwoch Berichte, dass ein aktueller Bitcoin-Verkauf im Wert von neun Milliarden US-Dollar durch Ängste vor den Auswirkungen von Quantencomputing ausgelöst wurde. Doch die Auswirkungen eines zukünftigen Durchbruchs auf diesem Gebiet bereiten Kryptografen seit langem Kopfzerbrechen.

Sie warnen, dass durch Quantencomputer die Verschlüsselung von Bitcoin geknackt werden könnte. Nun ist das Thema offenbar auch bei Investoren angekommen: Im Januar strich Christopher Wood, Stratege der Investmentbank Jefferies, Berichten zufolge seine Empfehlung, 10 Prozent eines Portfolios in Bitcoin zu investieren. Er begründete dies mit Bedenken hinsichtlich der Fortschritte im Quantencomputing. Blockstream-CEO Adam Back wies diese Bedenken zurück und argumentierte, dass Quantencomputing mindestens 20 bis 40 Jahre benötigen würde, um eine Bedrohung für Bitcoin darzustellen.

Um der wahrgenommenen Bedrohung durch Quantencomputing zu begegnen, setzte sich eine Gruppe von Bitcoin-Befürwortern und Krypto-Fondsmanagern für den Bitcoin Improvement Proposal (BIP-360) ein. Dieser sieht eine Option für eine Post-Quanten-Signatur für Bitcoin-Adressen vor, die durch zukünftige Fortschritte im Quantencomputing angreifbar sein könnten.

Technologie und Künstliche Intelligenz

Neben den Krypto-Werten sind auch die Technologie-Werte unter Druck geraten.

Der Nasdaq 100 gab um 2,4 Prozent nach. Softwareunternehmen gerieten erneut in eine Verkaufswelle, doch die Kursbewegungen waren am Mittwoch bei Chipherstellern deutlich ausgeprägter: Advanced Micro Devices Inc. brach aufgrund enttäuschender Prognosen um 17 Prozent ein.

Anleger stellen sich die Frage, welche Unternehmen besonders von der sogenannten Künstlichen Intelligenz betroffen sein werden. Am Dienstag war es zu einem Ausverkauf von Softwareaktien gekommen. Der Absturz war durch ein neues Automatisierungstool von Anthropic PBC ausgelöst worden. Die Verluste erstreckten sich auf Finanzdienstleister, juristische Unternehmen, Medien und Vermögensverwalter.

Washington Post feuert 300 Journalisten

Vor allem Medien sind von der technologischen Transformation betroffen, genauer gesagt: die Journalisten, die in Medien-Unternehmen arbeiten. In vielen Häusern wird drastisch gekürzt. Jüngstes Beispiel: Die Washington Post informierte ihre Mitarbeiter am Mittwoch über eine umfassende Entlassungsrunde, die voraussichtlich die Sport-, Lokal- und Auslandsberichterstattung des Unternehmens stark beeinträchtigen wird. Laut der New York Times entlässt das Unternehmen rund 30 Prozent seiner Belegschaft. Dies betrifft Mitarbeiter aus dem kaufmännischen Bereich sowie mehr als 300 der rund 800 Journalisten in der Redaktion.

Verkäufe gehen weiter

Die Vorsicht hielt auch am Mittwoch an, ein europäischer Aktienkorb, der als gefährdet durch KI-bedingte Umbrüche gilt, gab laut Bloomberg um weitere 1,2 Prozent nach. Es sei noch nicht klar, ob „diese Bewegung auf Angst oder fundamentalen Faktoren beruht“, sagte Stephanie Niven, Portfoliomanagerin bei Ninety One, laut Bloomberg. Bis das Vertrauen wiederhergestellt ist, erwartet Niven weitere „wahllose Verkäufe“. Die sich abzeichnenden Brüche haben den Kreditmarkt weltweit verunsichert und in der vergangenen Woche zu Kursverlusten bei Softwarekrediten im breit syndizierten Markt geführt.