Mit besser werdendem Wetter kann endlich wieder Modebewusstsein vor Funktionalität gestellt werden: Ciao, grässliche Pufferjacke, und auf Nimmerwiedersehen, klobige Schuhe. Wir bedanken uns, dass ihr uns warm gehalten und vor dem Ausrutschen bewahrt habt. Jetzt ist wieder Zeit für Schönes!
Bei manchen Mitmenschen schlägt die frühlingsinduzierte Euphorie allerdings in etwas zu viel Experimentierfreudigkeit um. Wir wünschen uns bei diesem Anblick die Schichten, die alles verdecken, doch wieder zurück. So, jetzt aufgepasst: Diese Dinge dürfen beim Frühjahrsputz gerne aus dem Kleiderschrank verschwinden oder, wenn das Herz dranhängt, noch weiter in die hinteren Ecken gequetscht werden.
Jeansjacke: Nein danke
Die Jeansjacke gilt als der ultimative Klassiker unter den Übergangsjacken, die meisten haben irgendwo im Schrank noch ein Modell hängen, das vor Jahren mal gekauft wurde und seitdem treu seinen Dienst verrichtet. Wirklich hässlich ist sie nicht, aber sie sitzt – weil sie eben schon so lange zur Garderobe gehört – bei erstaunlich vielen Menschen so spack, dass jegliche Coolness im Keim erstickt wird.

Hinzu kommt der hartnäckige Irrglaube, Denim sei ein diplomatischer Allesreißer, der sich mit jedem Outfit versteht. Entsprechend wird die Jacke oft ziemlich wahllos übergeworfen – und genau das sieht man dem Ensemble dann leider auch an. Im Set getragen, also mit einer bewusst dazu kombinierten Jeans, kann der Look durchaus wieder funktionieren, die Jeansjacke allein darf diese Saison aber auf der Ersatzbank aussitzen.
Spießig, kleinlich: Blumenprints
Miranda Priestly hat es bereits 2006 sarkastisch auf den Punkt gebracht: „Florals for Spring? Groundbreaking“, also etwa: „Blumen, zum Frühling? Was für eine Idiotie.“ Gegen ein wenig florale Leichtigkeit zur aufblühenden Jahreszeit ist grundsätzlich gar nichts einzuwenden – aber die viel zu kleinteiligen, fast schon flimmerigen Millefleur-Prints dürfen uns trotzdem liebend gerne fernbleiben.

Statt die Garderobe frisch und frühlingshaft wirken zu lassen, sehen die spießigen Muster oft eher veraltet und eingestaubt aus – fast so, als hätte man sich an Muttis Kleiderschrank vergriffen und versehentlich eine alte Kittelschürze oder gar eine Gardine erwischt. Was als romantisch gedacht ist, nimmt dem Look schnell jede Leichtigkeit. Wenn schon Blumen, dann doch bitte groß und modern gedacht.
Im Entengang: Die Ballerinas
Wer hätte erahnen können, dass Ballerinas ihr Comeback feiern würden, obwohl sie jahrelang als der Inbegriff von Spießigkeit galten. Kaum steigen die Temperaturen auf 15 Grad, tauchen die Schuhe zum Hineinschlüpfen sicher an den Füßen junger Frauen, die etwas auf sich und ihr Trendbewusstsein halten, auf.
Die platte Variante ohne Absatz hat die unangenehme Eigenschaft, den Gang in ein entenhaftes Watscheln zu verwandeln und den Fuß optisch in die Breite zu walzen. Klüger und zweifellos schöner sind dagegen Kitten Heels, also Modelle mit einem minimalen Absatz.
Große Fragen: Die Trenchcoat-Länge
Längen von Kleidungsstücken sind für Mode-Enthusiasten ein sensibles Thema, fast schon eine moralisch aufgeladene Frage. Und da der Frühling uns nun wieder die Trenchcoats hervorkramen lässt, stellt sich erneut die Frage, wie lang der Übergangsmantel denn bitte sein darf. Unvorteilhaft ist nämlich jene feige Länge, die mittig am Oberschenkel endet und dadurch selbst die Person mit Model-Proportionen optisch unbarmherzig staucht.

Dabei ist die Entscheidung eigentlich simpel: Entweder man wählt ein Modell, das bis zu den Waden reicht und bei jedem Schritt lässig schwingt, oder einen kurzen Trench leicht maritimer Note, wie er in den vergangenen Saisons glücklicherweise wieder beliebter wurde. Die Zwischenlösung wirkt dagegen wie ein textiles Eingeständnis ästhetischer Unentschlossenheit.
Full-Look: Pastell-Bonbon
Nach Monaten des grauen Berliner Winters ist es nur verständlich – fast schon ein Reflex –, dass die ersten warmen Tage dazu verleiten, wieder zur Farbe zu greifen. Zartes Buttergelb, sanftes Babyrosa, ein Hauch von Pistazie: alles für sich genommen durchaus charmant.


