Zweite Bundesliga

Hertha BSC holt späten Sieg – VAR-Sabotage sorgt für Diskussionen

Bei Preußen Münster hat Hertha BSC in der ersten Hälfte alles im Griff, schafft aber erst spät den Siegtreffer. Eine andere Szene sorgt für Gesprächsstoff.

Die Szene des Spiels zwischen Preußen Münster und Hertha BSC: Schiedsrichter Felix Bickel schaut kurz vor dem Seitenwechsel auf einen schwarzen Bildschirm. Über den Elfmeter für die Berliner entscheidet der VAR.
Die Szene des Spiels zwischen Preußen Münster und Hertha BSC: Schiedsrichter Felix Bickel schaut kurz vor dem Seitenwechsel auf einen schwarzen Bildschirm. Über den Elfmeter für die Berliner entscheidet der VAR.RHR-FOTO/Imago

Fans von Hertha BSC haben in den vergangenen Jahren vieles erlebt –einen sabotierten Videoassistenten allerdings noch nicht. Beim 2:1-Sieg (1:0) bei Preußen Münster zog mindestens eine vermummte Person dem VAR schlicht den Stecker – und sorgte damit für eine Szene, wie es sie im deutschen Profifußball noch nicht gegeben hat.

Im Pokal ist Hertha BSC in vielen Statistiken schlechter

Aber erst einmal zum sportlichen Teil: In einer Statistik waren die Berliner bereits in der zweiten Minute besser als noch im ersten Vergleich beider Teams an selber Stelle. Damals, Mitte August des vergangenen Jahres, waren die Münsteraner in der ersten Runde des DFB-Pokals nicht nur Gastgeber im Duell zweier Zweitligisten, sondern auch in den meisten Statistiken. Etwa bei den Torschüssen. Oder aber den Eckbällen. Davon hatte Hertha BSC sich nach 90 Minuten und der 30-minütigen Verlängerung zwar keinen erarbeiten, aber nach dem Elfmeterschießen den Platz als Sieger verlassen können.

Im Rückrundenspiel der Zweiten Bundesliga nun also hatten die Berliner bereits in der zweiten Minute einen ersten Eckball erhalten und wirkten auch im weiteren Spielverlauf keineswegs mehr so wie zu Saisonbeginn, als man sich nicht nur im Pokal, sondern vor allem im Ligaspielbetrieb schwertat und in dieser Phase dafür sorgte, dass das zweite Spiel in Münster aus eigener Sicht de facto sportlich unbedeutend war. Nur zwei von zwölf möglichen Punkten aus den ersten vier Saisonspielen waren eine Hypothek, die das Ziel vom Aufstieg in die Bundesliga vor zwei Wochen beim 2:5 in Paderborn hat platzen lassen.

Um die Anspannung bis zum letzten Spieltag möglichst hoch zu halten, hatte Trainer Stefan Leitl deshalb vor der Partie in Münster gesagt, dass die Saison „noch nicht vorbei“ sei. Es geht dabei schließlich auch um seinen Job. Denn: Sollte die Mannschaft auch in den verbleibenden Partien so biederen Fußball wie in den Vorwochen dieses Kalenderjahres anbieten und nur wenig Punkte holen, würden nicht nur einige Spieler, sondern auch er selbst bei der Neuaufstellung für die kommende Saison zur Disposition stehen.

Vordergründig aber steht die restliche laufende Spielzeit unter dem Motto „Leitl sucht das Hertha-Team 2026/27“. In den kommenden Wochen sei es „die Aufgabe von uns, zu sehen, wer bereit ist, auch in der kommenden Saison dieses Ziel, den Aufstieg, anzugehen“. Pascal Klemens etwa hat sich mit seiner Vertragsverlängerung verpokert, ein Angebot von Hertha BSC, das er schon seit einigen Monaten vorliegen hat, wurde vom Eigengewächs bislang nicht unterschrieben.

In Münster gehörte Klemens deshalb erneut nicht zum Kader. „Es geht darum, seine Dinge zu klären, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das habe ich klar angesprochen, und das erwarte ich von ihm. Die Situation ist unverändert. Ich erwarte, dass es in den nächsten Wochen geklärt wird“, sagte Leitl zur Personalie Klemens. Allgemein erwarte er von den Spielern ein klares Bekenntnis zum Verein.

Hertha BSC mit deutlich mehr Ballbesitz in erster Hälfte

In Münster hatte Leitl ein gutes Händchen bewiesen. Diesmal waren nicht nur Eckbälle, sondern auch eine engagierte Leistung der Berliner zu sehen. Mit 63 Prozent Ballbesitz traten die Herthaner auswärts dominant auf, eroberten immer wieder schnell den Ball vom Gegner zurück und präsentierten sich keineswegs wie ein Team, das die Saison bereits abgeschrieben hat. Zumal die Gastgeber tief im Abstiegskampf stecken und dort jeden Punkt brauchen.

Beim Pausenstand von 1:0 für die Berliner aber wären die drei Zähler erst einmal an die Gäste gegangen. Fabian Reese hatte in der Nachspielzeit einen Foulelfmeter sicher zur Führung verwandelt. Kurios dabei die eingangs erwähnte Szene: Schiedsrichter Felix Bickel hatte zunächst weiterspielen lassen, wurde dann vom VAR zum Monitor an die Seitenlinie geschickt. Doch als Bickel am Monitor ankam, blieb der Bildschirm schwarz. Kein Bild. Die Entscheidung musste deshalb aus dem Kölner Keller kommen: Videoassistentin Katrin Rafalski sprach den Elfmeter aus.

Wie sich im Laufe der zweiten Hälfte herausstellte, wurde die Stromzufuhr zum Bildschirm unterbrochen. Der Neustart des Systems dauerte zu lange, weshalb der Kölner Keller die Elfmeterentscheidung selbstständig traf. Im Block der Münsteraner feierte man die Sabotage mit einem Banner und der Aufschrift: „Dem VAR den Stecker ziehen“.

Das traf nach dem Seitenwechsel auch auf die Mannschaft von Stefan Leitl zu. Nach nur wenigen Sekunden setzte sich Jannis Heuer nach einer Flanke von der linken Seite im Hertha-Strafraum durch und traf per Kopf zum Ausgleich. Auch im weiteren Spielverlauf waren die Gastgeber besser und der Führung näher. Doch den entscheidenden Treffer setzte Hertha: Marten Winkler traf in der vierten Minute der Nachspielzeit – und entschied ein Spiel, das längst nicht nur wegen des Ergebnisses in Erinnerung bleiben wird.