Bundesliga

Nebendarsteller: Letzter Tanz für Marvin Friedrich gegen den 1. FC Union Berlin?

Der Abgang aus Köpenick hat der Karriere von Friedrich geschadet. Nach viereinhalb Jahren Gladbach braucht er im Sommer einen Neuanfang in einem anderen Klub.

In seinem bisher einzigen Startelfeinsatz dieser Saison erlebte Marvin Friedrich im Trikot von Borussia Mönchengladbach Mitte Oktober 2025 im Duell mit seinem Ex-Klub 1. FC Union Berlin einen körperlich schmerzhaften und sportlich gebrauchten Abend.
In seinem bisher einzigen Startelfeinsatz dieser Saison erlebte Marvin Friedrich im Trikot von Borussia Mönchengladbach Mitte Oktober 2025 im Duell mit seinem Ex-Klub 1. FC Union Berlin einen körperlich schmerzhaften und sportlich gebrauchten Abend.Mathias Renner/City-Press

Am Ende war es nicht mehr als ein Gerücht. Fast auf den Tag genau vier Jahre nach ihrer Trennung stand vor ein paar Wochen die Wiedervereinigung zwischen Marvin Friedrich und Urs Fischer laut mehreren Berichten im Raum. Der Innenverteidiger von Borussia Mönchengladbach hatte seinerzeit unter dem Schweizer Trainer beim 1. FC Union Berlin seine bislang erfolgreichste Zeit als Fußballprofi, wurde nach dem Aufstieg in die Bundesliga zur unantastbaren Stammkraft bei den Eisernen und wurde von so manchem Experten gar als möglicher nächster Nationalspieler gehandelt.

Marvin Friedrich geht eigentlich den logischen Schritt

Der Schritt vom Bundesliga-Frischling aus Köpenick zum Bundesliga-Urgestein schien da im Januar 2022 nur die logische Konsequenz in der Karriereplanung des gebürtigen Kasselers zu sein. Und mal ehrlich: Auch wenn Friedrich damals mit den Eisernen, in deren drittem Bundesliga-Jahr, gerade parallel in der Conference League spielte, so war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar, dass der weitere sportliche Weg die Köpenicker in die Europa League und ein weiteres Jahr später gar in die Champions League führen sollte. Das hätte man eher von der Borussia aus Mönchengladbach erwartet. Und Marvin Friedrich sollte ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg der Fohlen werden, wollte sich bei Borussia durchsetzen und Stammspieler werden, wie er nach seinem Wechsel sagte.

Vier Jahre später haben sich der 1. FC Union Berlin und Borussia Mönchengladbach tabellarisch wieder etwas angenähert. Von Europa träumen die beiden Klubs derzeit nicht, sportliche Stabilität und Klassenerhalt heißen die Ziele hier wie dort. Aber: Wenn sich beide Vereine am Sonnabend (15.30 Uhr) im Borussia-Park gegenüberstehen, bleibt für Marvin Friedrich wieder einmal nur die Rolle des Nebendarstellers – die einzige Konstante in seinen nun etwas mehr als vier Jahren im Trikot von Mönchengladbach.

Mit vier Trainern hat er in dieser Zeit zusammengearbeitet. Doch weder unter Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane noch aktuell Eugen Polanski war Friedrich so unantastbar wie unter Urs Fischer beim 1. FC Union Berlin. Auf Phasen, in denen er mehrfach in der Startelf stand, folgten immer wieder Abschnitte, in denen er 90 Minuten auf der Bank saß.

Kurioserweise durfte er dann, wenn es gegen den Ex-Klub aus Köpenick ging, immer wieder ran. Häufig in der Startelf, manchmal aber wurde Friedrich nur eingewechselt. Bei den beiden (und einzigen) Siegen wurde er in der vergangenen Saison beide Male erst spät (90. und 74. Minute) eingewechselt. In den fünf Partien davor war ein torloses Unentschieden nach vier Niederlagen schon so etwas wie ein Erfolgserlebnis.

Seinen persönlichen Tiefpunkt erlebte der mittlerweile 30-Jährige aber in der Hinrunde der laufenden Saison, als er von Polanski, der damals noch interimsweise an der Seitenlinie stand, im Stadion An der Alten Försterei im Duell mit den Eisernen in die Startelf beordert wurde. In seinem ersten Saisoneinsatz wirkte der Innenverteidiger über die komplette Spielzeit unsicher und klärte vor dem entscheidenden 1:3 den Ball auch noch auf die Füße seines ehemaligen Teamkollegen Rani Khedira, der von der Strafraumkante zum Endstand traf.

Es blieb der bislang einzige Startelfeinsatz in dieser Saison, lediglich vier Einwechslungen sollten folgen. Kein Wunder also, dass es im Januar dieses Jahres Gerüchte um einen Abgang gab. Die Wiedervereinigung mit Urs Fischer beim ebenfalls abstiegsbedrohten 1. FSV Mainz 05 klang dabei nicht nur nach einer schönen Geschichte, sondern hätte auf den ersten Blick sportlich auch durchaus Sinn ergeben. Die fehlenden Einsätze aber waren ein Argument gegen Friedrich: Anstatt auf Romantik setzte man in Mainz auf Stefan Posch und die sportlich vielversprechendere Variante für die anfällige Abwehr.

Selbst als Fischer noch Trainer beim 1. FC Union Berlin war, hatte es immer mal Gerüchte über eine Rückholaktion des Innenverteidigers nach Köpenick, aber niemals Vollzug gegeben. „Ich bin absolut unzufrieden und spüre null Komma null Vertrauen“, sagte er etwa gegenüber der Sport-Bild in der Saison 2022/23. Damals hatte er unter Daniel Farke keine Rolle mehr gespielt, saß zwischenzeitlich neun Spiele am Stück nur auf der Bank und erhielt danach nur Kurzeinsätze. Darunter etwa die drei Minuten beim 0:1 gegen die Eisernen am 23. April 2023.

Im selben Interview stellte Friedrich folgende Forderung an Trainer sowie Verein und sorgte damit für Unruhe: „Für mich muss sich etwas ändern, so kann es nicht weitergehen.“ Am Ende der Saison trennten sich die Wege von Farke und der Borussia. Während die Unioner ihre historisch beste Saison in der Bundesliga spielten und sich mit 62 Punkten sensationell für die Champions League qualifizierten, landete die Borussia lediglich auf Platz zehn.

Neuer Trainer, neue Chance, das dachte sich Friedrich wohl, als zur Spielzeit 2023/24 in Gerardo Seoane ein Landsmann von Urs Fischer aus der Schweiz in Mönchengladbach anheuerte und dem Abwehrspieler auch direkt erste Einsatzmöglichkeiten gab. Der aber wusste damit nicht sehr viel anzufangen und war nach teilweise indiskutablen Leistungen wieder kein Stammspieler, sondern kam oft von der Bank oder gar nicht zum Einsatz.

Letzter Tanz gegen den 1. FC Union Berlin?

Ein Zustand, der sich bis zum nächsten Duell mit dem 1. FC Union Berlin nicht verändert hat und der im Sommer ein Ende haben wird. Dann läuft der Vertrag des 30-Jährigen aus. Eine Verlängerung ist ausgeschlossen und wird in den sozialen Medien von den Fans der Borussia auch nicht gewünscht. Viele hätten sich bereits einen vorzeitigen Abgang im Winter nach Mainz gewünscht. Der aber kam nicht zustande und so bietet sich am Sonnabend stattdessen die Chance auf einen letzten Tanz gegen den 1. FC Union Berlin.

Sechs Spiele hat die Borussia zuletzt in Folge nicht gewonnen, dabei 15 Gegentore kassiert und liegt nur noch zwei Punkte vor dem Relegationsplatz. Vielleicht zaubert Eugen Polanski, wie schon im Hinspiel, auch diesmal Marvin Friedrich aus dem Hut und sorgt damit dafür, dass dieser noch einmal gegen seinen Ex-Klub, den er lieber nicht hätte verlassen sollen, zum Einsatz kommt. Bevor es im Sommer für einen Neuanfang einen anderen Standort braucht.