Bundesliga

Marco Grote über Ende bei 1. FC Union Berlin: „Hatte das Gefühl, mein Job war getan“

Im Sommer des vergangenen Jahres hat der Trainer seine Arbeit in Köpenick beendet. Nach Monaten der Erholung und Selbstreflexion ist er jetzt offen für neue Aufgaben.

Bis heute der größte Moment in der Trainerkarriere von Marco Grote (Mitte): Der Jubel über den 2:1-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen den SC Freiburg, der im Frühjahr 2024 den Klassenerhalt bedeutete.
Bis heute der größte Moment in der Trainerkarriere von Marco Grote (Mitte): Der Jubel über den 2:1-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen den SC Freiburg, der im Frühjahr 2024 den Klassenerhalt bedeutete.Nordphoto/Imago

Es ist ruhig geworden um Marco Grote. Wer den 53-jährigen Bremer in diesen Tagen trifft, erlebt einen Mann, der mit sich im Reinen ist, aber die Füße nicht mehr allzu lange stillhalten möchte. Hinter ihm liegen drei intensive Jahre beim 1. FC Union Berlin – eine Zeit, die ihn geprägt hat wie kaum eine andere Station in seinen über 20 Trainerjahren. Jetzt, im Februar 2026, sind die Akkus nach dem Abschied aus Köpenick im Sommer 2025 wieder voll. Grote ist bereit für das nächste Kapitel.

Marco Grote als Feuerwehrmann aus der zweiten Reihe

Wenn man über Grotes Zeit im Stadion An der Alten Försterei spricht, kommt man an seiner Rolle als „Edel-Interimslösung“ nicht vorbei. Eigentlich für die U19 und das Prestigeprojekt Youth League geholt, fand sich der Uefa-Pro-Lizenz-Inhaber plötzlich im grellen Scheinwerferlicht der Bundesliga wieder. Zweimal musste er nach den Trennungen von Urs Fischer und Nenad Bjelica jeweils für zwei Spiele als Interimslösung gemeinsam mit Marie-Louise Eta einspringen und jeweils den sportlichen Negativtrend stoppen.

Besonders der Mai 2024 bleibt in Erinnerung. Nach der kurzen Zeit von Nenad Bjelica übernahm Grote die Profimannschaft für die letzten zwei Spieltage. Die Fallhöhe war gigantisch, der Abstieg war bedrohlich nahe gerückt, insbesondere als das erste Spiel unter seiner Leitung nach 2:0-Führung beim 1. FC Köln noch mit 2:3 verloren ging. Doch Grote blieb cool. Mit einem dramatischen 2:1-Sieg gegen den SC Freiburg am letzten Spieltag rettete er die Eisernen vor dem schlimmsten Szenario und schaffte stattdessen den Klassenerhalt in der Bundesliga. „Ich habe in dieser Phase versucht, den Druck von der Mannschaft zu nehmen und ihr Vertrauen zurückzugeben“, sagte Grote jetzt im Gespräch mit transfermarkt.de.

Es war die Krönung seiner Arbeit in Berlin, aus der aber keine Dauerlösung wurde. Während Bo Svensson neuer Trainer der Profis wurde, ging es für Grote wieder zurück zur U19. Im Sommer des vergangenen Jahres aber trennten sich die Wege. „Es gab ein relativ kurzes Gespräch mit den Verantwortlichen, in dem beide Seiten schnell zum selben Schluss kamen“, so Grote. Wichtig aber ist dabei, dass der Cut im Sommer 2025 „sauber und ordentlich“ gewesen sei. Sein Fazit fällt trotz des Abschieds positiv aus: „Union ist ein toller Klub. Ich hatte das Gefühl, mein Job war getan.“

Chaos in Athen hilft bei der Arbeit für 1. FC Union Berlin

Dass Grote in den Drucksituationen bei den Eisernen so stabil blieb, führt er paradoxerweise auf sein wohl skurrilstes Karriereerlebnis zurück: ein kurzes, chaotisches Intermezzo beim griechischen Klub Apollon Smyrnis Anfang 2022. Dort erlebte er Dinge, die mancher Trainer in einer ganzen Laufbahn nicht sieht – inklusive der Entlassung des kompletten Staffs 48 Stunden vor einem Spiel.

„Dieses Chaos in Griechenland hat mich zu einem besseren, weil entspannteren Trainer gemacht“, analysiert er heute nüchtern. Wer Athen überlebt, den schockt auch ein Abstiegskampf in der Bundesliga nicht mehr. Es ist dieser Erfahrungsschatz aus 35 Jahren Fußball (als Spieler und Coach), den er nun in ein neues Projekt einbringen will.

Marco Grote ist „bereit für den Tag X“

Aber: Grote drängt sich nicht auf, wenn Kollegen wackeln – das gehöre sich nicht, sagt er mit norddeutscher Direktheit. Stattdessen nutzt er die Zeit für Fortbildungen, Sprachkurse und Scouting-Reisen. Er weiß, dass der Markt für sein Berufsbild sehr klein ist. Hunderte Fußballlehrer buhlen um wenige Plätze in den drei Profiligen.

Sein Fokus ist daher geweitet. „Sich nur auf den deutschen Markt zu konzentrieren, wäre falsch“, sagt er. Ob Ausland oder ambitionierter Klub in Deutschland: Grote sucht eine Aufgabe, bei der er seine Handschrift – mutigen Kombinationsfußball und klare Kommunikation – hinterlassen kann. Sein Profil ist geschärft: ein ehrlicher Arbeiter, geprägt vom Norden, gestählt durch seine Zeit beim 1. FC Union Berlin und abgehärtet durch Athen.

Zudem hat Marco Grote seine Reflexionsphase beendet. Er ist kein „Trainerprojekt“ mehr, sondern eine fertige Persönlichkeit, die weiß, wie man Mannschaften in Extremsituationen führt. Der „Tag X“ kann kommen.