Viel mehr Geduld kann man fast nicht aufbringen. Immer wieder hatten es erst Bo Svensson, später dann auch noch Steffen Baumgart probiert, aus Jordan Siebatcheu wieder einen Stürmer zu machen, der seiner Bezeichnung auf dem Platz auch gerecht wird. Insgesamt 20 Einsatzmöglichkeiten bekam der damals 27-Jährige von beiden Trainern des 1. FC Union Berlin in der vergangenen Saison. Mal stand er in der ersten Elf, mal kam er von der Bank, doch weder in der Bundesliga noch im DFB-Pokal glückte Siebatcheu in den unterschiedlichen Rollen das, wofür er verpflichtet wurde: Tore. Ohne Treffer war der in den USA geborene und in Frankreich aufgewachsene Stürmer geblieben – Anfang Februar des vergangenen Jahres mussten beide Seiten die Reißleine ziehen.
Direkt im Stadtderby gegen Hertha BSC ein Tor erzielt
Was einst so verheißungsvoll mit drei Toren in den ersten sieben Bundesligaeinsätzen, darunter eins beim Sieg im Stadtderby gegen Hertha BSC (3:1), begonnen hatte, endete zum zweiten Mal vorzeitig – diesmal mit dem festen Wechsel zurück zu seinem Jugendklub Stade Reims nach Frankreich. Schon nach seiner ersten Saison, in der Siebatcheu am Ende vier Tore für die Eisernen erzielte, wurde er für die Spielzeit 2023/24 an Borussia Mönchengladbach verliehen, erzielte in 27 Einsätzen immerhin sieben Tore. In Köpenick bekam er also eine zweite Chance, konnte die aber nicht nutzen.
Und so sollte also vor knapp einem Jahr die Rückkehr nach Frankreich dafür sorgen, dass aus dem Torlos-Stürmer wieder der Knipser wird, der sich vor seinem Wechsel zum 1. FC Union Berlin mit seinen 22 Treffern für Young Boys Bern zum Torschützenkönig der Schweizer Super League krönte. Und der sogar fünf Tore in der Champions League und Qualifikation zur Königsklasse schießen konnte, es auf insgesamt 42 Treffer in 86 Pflichtspielen für die Schweizer brachte und doch offenbar alles in sich trägt, was einen Stürmer ausmacht.
Doch auch in bekannter Umgebung schien das Pech weiter an Siebatcheu zu kleben. Im ersten Spiel nach seiner Rückkehr verletzte er sich im Pokalspiel beim FC Bourgoin-Jallieu schwer am Oberschenkel und fiel zwei Monate aus. Erst im April 2025 feierte er sein Comeback, in seinem dritten Einsatz für Reims gelang ihm am 20. April gegen Toulouse direkt ein Tor – das erste seit über einem Jahr. Seinen letzten Treffer hatte er zuvor am 24. Februar 2024 im Trikot von Mönchengladbach gegen den VfL Bochum erzielt.
Der Ketchup-Effekt, von dem im Fußball gerne gesprochen wird, wenn man sich vom ersten Tor eines Stürmers nach langer Durststrecke verspricht, dass danach mehrere folgen, blieb in Frankreich allerdings aus. Bis zum Saisonende, an welchem es in der Relegation runter in die zweite französische Liga ging, konnte Siebatcheu keinen weiteren Treffer erzielen und wurde daraufhin im Sommer des vergangenen Jahres nach gerade einmal einem halben Jahr direkt wieder verliehen. Drei Spiele hatte er in der Ligue 2 noch bestritten, aber war bei drei Startelfeinsätzen jeweils torlos geblieben.
Neuer Verein, neues Land und neue Liga schienen also die Devise für den groß angelegten Tapetenwechsel gewesen zu sein, als der mittlerweile 29-Jährige bei CD Tondela unterschrieb. Erste portugiesische Liga statt Ligue 1 und 2 oder Bundesliga ist seit Mitte September 2025 die neue „Spielwiese“ für den ehemaligen Unioner. Der Verein und die Gegenspieler haben sich vielleicht geändert, die Probleme vor dem Tor aber sind geblieben.
Erster Treffer von Siebatcheu im zwölften Einsatz
Obwohl Siebatcheu regelmäßig zum Einsatz kam und in jedem Spiel zumindest eingewechselt wurde, musste er bis zum zwölften Spieltag am 3. Januar dieses Jahres auf seinen ersten Treffer in Portugal warten. Sein erster Treffer wurde zwar mit einem Startelfeinsatz am Sonntag im Nachholspiel gegen den FC Moreiense belohnt, das zweite Saisontor allerdings gelang Siebatcheu nicht. Nach dem Ende der Hinrunde liegt er mit dem Aufsteiger auf einem der zwei direkten Abstiegsplätze.


