Historische Aufholjagd gegen Mainz

1. FC Union Berlin: Steffen Baumgart ist mit den Eisernen historisch unterwegs

Erst einmal zuvor in ihrer Bundesligahistorie ist es dem 1. FC Union Berlin gelungen, wie beim 2:2 gegen Mainz nach einem Zwei-Tore-Rückstand zu punkten.

Danilho Doekhi und der 1. FC Union Berlin haben mit dem 2:2 gegen Mainz das geschafft, was ihnen zuvor in der Bundesliga erst einmal gelungen ist.
Danilho Doekhi und der 1. FC Union Berlin haben mit dem 2:2 gegen Mainz das geschafft, was ihnen zuvor in der Bundesliga erst einmal gelungen ist.Mathias Renner/City-Press

So häufig gelingt es dem 1. FC Union Berlin nicht, wie er zum Wiederbeginn der Bundesliga beim 2:2 gegen Mainz gepunktet hat. Nach einem Zwei-Tore-Rückstand kamen die Rot-Weißen mit einem blauen Auge davon. Das ist für sie auch deshalb außergewöhnlich, weil es nach einem 2:2 gegen Ende der vorigen Saison im Heimspiel gegen Werder Bremen erst zum zweiten Mal passiert ist, dass sie in einer solchen Situation noch etwas gerissen haben.

Rückstände aufzuholen, ist für den 1. FC Union Berlin ein Erfolg

Für das Team um Kapitän Christopher Trimmel ist es schon immer ein Erfolg, überhaupt 0:1-Rückstände aufzuholen. Ganz außergewöhnlich ist es, ein Spiel ganz und gar zu drehen. So wie es im vorigen Spieljahr in Frankfurt und Freiburg geglückt ist und damit der Aufschwung in sichere Tabellengefilde einherging.

Andererseits ist es so, dass man aus Spielen wie dem jetzt gegen Mainz mehr mitnimmt als aus vielen anderen. Dass man sich gefühlt als Sieger vorkommt, während der andere quasi im Regen steht. Vor allem dann, wenn jemand in der Situation ist wie die Mainzer, denen Unentschieden nicht wirklich weiterhelfen. Noch nicht verloren haben die Nullfünfer in drei Spielen unter Urs Fischer. Doch einen entscheidenden Schritt weg von der Roten Laterne haben sie mit drei Unentschieden nicht hinbekommen.

Spiele noch zu drehen oder sie nach einem deutlichen Rückstand zu einem Unentschieden zu bringen, hat eine ganz besondere Note. Für Deutschlands Fußball liegt das Schlüsselerlebnis einer solchen Partie im WM-Titel von 1954. Aus zwei Gründen wurde es das „Wunder von Bern“. Weil erstens die eigentlich unbezwingbaren Ungarn besiegt worden sind. Und weil es zweitens, Ferenc Puskas (6.) und Zoltan Czibor (8.) hatten dafür gesorgt, nach einem 0:2-Rückstand passiert ist, den Max Morlock (10.) und Helmut Rahn (18.) ausglichen, ehe der „Boss“ („Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen …“) kurz vor Schluss die Sensation perfekt machte. Es ist die spektakulärste Aufholjagd, die der deutsche Fußball erlebt hat.

Dabei gibt es solche und ähnliche Spektakel immer wieder. Selbst auf höchstem Niveau. Wie sonst hätte AC Mailand 2005 im Finale der Champions League gegen Liverpool ein 3:0 zur Halbzeit noch hergeben können? Innerhalb von sechs Minuten (!) holten die Reds den Rückstand unter anderem durch einen Treffer von Xabi Alonso, dem späteren Meistertrainer von Bayer 04 Leverkusen, auf, um im Elfmeterschießen zu triumphieren.

Dass sogar ein Vier-Tore-Rückstand aufgeholt wird, ist zwar viel seltener, kommt aber dennoch vor. In der Bundesliga passierte das genau zweimal. Zu Zeiten von Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller lag Bayern München in Bochum 0:4 zurück, machte daraus innerhalb von 20 Minuten ein 5:4, um am Ende mit 6:5 zu gewinnen. Vor acht Jahren war Schalke bei einem 0:4-Halbzeitrückstand in Dortmund mausetot. Nach dem Coup zum 4:4, zumal gegen den Erzfeind, ließen die Königsblauen ein T-Shirt herstellen mit diesem Aufdruck: Derbysieger.

Deutschland schleicht in Berlin gedrückt vom Platz

Haargenau denselben Verlauf nahm im Herbst 2012 das WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Schweden. Eine halbe Stunde vor Schluss führte das Team um Kapitän Philipp Lahm in Berlin 4:0, schlich nach dem 4:4 aber gedrückt aus dem Olympiastadion. Ein Gutes hatte die furiose Aufholjagd der Schweden (oder das unerklärliche Nachlassen der Deutschen) aber doch. Es war ein ungewöhnlicher Tupfer auf dem Weg zum Titel zwei Jahre später in Brasilien.

Damit kann der Jahresauftakt des 1. FC Union Berlin nicht einmal im Ansatz mithalten. Dass es das Team von Trainer Steffen Baumgart innerhalb von neun Minuten dennoch zum kaum noch erwarteten Punktgewinn brachte, ist nicht das schlechteste Statement für die Partie am Donnerstag in Augsburg und die für die Eisernen am Sonntag in Stuttgart beginnende Rückrunde. Die Moral, so das allgemeine Lob, ist intakt. Das ist bei Teams wie den Eisernen schon mal so gut wie die halbe Miete.