Urs Fischer kehrt zurück

1. FC Union Berlin: Die Fans werden sich an ihren Worten messen lassen müssen

Spektakulär ist Urs Fischer vor gut zwei Jahren von den Fans des 1. FC Union Berlin verabschiedet worden. Wie fällt der Empfang bei seiner Rückkehr am Sonnabend aus?

Mit zahlreichen Bannern haben sich die Fans des 1. FC Union Berlin vor gut zwei Jahren bei Trainer Urs Fischer und Co-Trainer Markus Hoffmann für ihre Arbeit bedankt. Am Sonnabend soll das Duo in Diensten des 1. FSV Mainz 05 erstmals nach Köpenick zurückkehren.
Mit zahlreichen Bannern haben sich die Fans des 1. FC Union Berlin vor gut zwei Jahren bei Trainer Urs Fischer und Co-Trainer Markus Hoffmann für ihre Arbeit bedankt. Am Sonnabend soll das Duo in Diensten des 1. FSV Mainz 05 erstmals nach Köpenick zurückkehren.Matthias Koch/imago

Gut zwei Jahre ist es nun schon her, dass sich die Fans des 1. FC Union Berlin mit großem Tamtam von Urs Fischer und Markus Hoffmann verabschiedeten. Die Bühne, die sie nach der Trennung des Bundesligisten von ihrem Erfolgs-Trainerduo wählten, war damals das Heimspiel gegen den FC Augsburg, das erste Spiel seit 1964 Tagen ohne Fischer und Hoffmann an der Seitenlinie der Eisernen.

Neben einer riesigen Choreografie waren auf der Waldseite auch zahlreiche Banner mit Grußbotschaften und Dankessagungen an den Schweizer und seinen österreichischen Assistenten zu lesen gewesen. „Einmal Unioner, immer Unioner“ stand da etwa geschrieben oder „Immer eine vo eus“, die schweizerdeutsche Version von „Immer einer von uns“. Die Wertschätzung, die Urs Fischer damals nach fünfeinhalbjähriger Tätigkeit für den 1. FC Union Berlin entgegenschlug, erlebte er, anders als Hoffmann, nicht vor Ort. Während sein Co-Trainer sich nach dem Ende in Köpenick das einmalige Erlebnis eines Besuchs zwischen den Fans auf der Waldseite gönnte, weilte Fischer in der Heimat und kehrte bislang nie wieder an den Ort zurück, wo er noch immer sichtbare Fußstapfen hinterlassen hat.

Nicht nur Freude bei Union-Fans, als Fischer in Mainz begann

Sollte das winterliche Wetter keine anderen Pläne haben, wird sich das am Sonnabend ändern. Als Trainer des 1. FSV Mainz 05 wird Fischer erstmals ins Stadion An der Alten Försterei zurückkehren. Nachdem er dieses Amt im Dezember des mittlerweile vergangenen Jahres angetreten hatte, war die Resonanz aus Köpenick allerdings nicht durchweg wohlwollend. Neben der Freude, dass Fischer zurück in der Bundesliga ist, gab es auch negative Kommentare in den sozialen Medien zu lesen.

So werden sich die Fans des 1. FC Union Berlin am Sonnabend auch ein wenig an ihren markigen Worten vom 25. November 2023 messen lassen müssen, wenn Fischer für sie sichtbar das Innere des Stadions An der Alten Försterei betreten wird. Im Vorfeld der Partie zwischen den Eisernen und den Mainzern waren beide Seiten ob dieser Rückkehr und dem Umgang damit in regem Austausch. „Wir freuen uns alle auf das Wiedersehen – mit Fischer, Hoffmann, aber auch mit Benedict Hollerbach“, sagte Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation, am Donnerstag auf der Pressekonferenz. Und ergänzte: „Wir respektieren den Wunsch von Mainz, die sportliche Situation sehr ernst zu nehmen. Es gibt keine Zeremonie, aber sicher einen sehr herzlichen Empfang.“

Freiwillige Fans und Angestellte haben am Donnerstag die Wege und Parkplätze am und im Stadion An der Alten Försterei von Schnee befreit.
Freiwillige Fans und Angestellte haben am Donnerstag die Wege und Parkplätze am und im Stadion An der Alten Försterei von Schnee befreit.Matthias Koch/imago

Beim Blick auf die Wetterprognosen tue der Verein mit der Unterstützung von Fans und Mitarbeitern indes alles dafür, dass dieses Wiedersehen auch stattfinden können. Erneuter Schneefall und Temperaturen im tiefen Minusbereich lassen derzeit zwar keine Garantien zu, aber in Köpenick wird intensiv daran gearbeitet, dass auch gespielt werden kann.

Die Mainzer planen eine Anreise am Freitag und hoffen neben dem Anpfiff der Partie auf ein sportliches Erfolgserlebnis. Bei ihrer Ankunft in Köpenick aber werden Fischer und Hoffmann nicht um die Vergangenheit drumherumkommen. „Ich komme an einen Ort, an dem ich fünfeinhalb Jahre tätig war. So lange war ich vorher sonst noch nie als Cheftrainer“, sagte Fischer am Donnerstag, parallel zu der in Berlin stattfindenden Pressekonferenz, gegenüber den Mainzer Pressevertretern. „Das Nostalgische muss ich aber ausblenden. Ich versuche, mich komplett auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Es geht um den Fußball und nicht darum, wie lange ich da war.“

Zu prekär für Feierlichkeiten rund um seine Person ist die Lage in Mainz. In seinen ersten beiden Partien in der Bundesliga hat er mit dem 2:2 beim FC Bayern München und dem torlosen Unentschieden gegen den FC St. Pauli bislang zwei Punkte holen können, aber den letzten Tabellenplatz nicht verlassen können. Steffen Baumgart aber will die Mannschaft von Urs Fischer nicht an ihrem Tabellenrang bewerten: „Ich sehe Mainz von der Leistungsfähigkeit nicht auf dem letzten Platz“, so der aktuelle Union-Trainer.

Zudem erinnerte Baumgart an die Konstellation vor fast genau einem Jahr. Damals hatte er die Eisernen zum Jahreswechsel von Bo Svensson übernommen und befand sich nach den ersten beiden Partien mit seiner Mannschaft nur knapp oberhalb der Abstiegszone. Die Mainzer hingegen kamen am 19. Januar 2025 als Tabellensechster angereist und unterlagen dem 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei mit 1:2. Den 1. FSV Mainz 05 bezeichnet Baumgart trotz der sportlich schwierigen Lage als eine Mannschaft, die zu allem in der Lage sei.

Als sehr robust und laufstark hat der seit Montag 54-Jährige die Mainzer Mannschaft ausgemacht. „Da haben sie jetzt den richtigen Trainer dazu bekommen“, sagt Baumgart mit Blick auf den Trainerwechsel zu Urs Fischer. „Er wird versuchen, die Struktur dahin zu ändern, dass sie hinten stabil agieren und nach vorn trotzdem ihren Weg finden.“ Dass Fischer zudem noch immer einen Teil der aktuellen Union-Mannschaft kenne, ist für Baumgart kein Problem: „Dass er weiß, wie wir spielen, dass er weiß, was auf ihn zukommt, liegt in der Natur der Sache. Aber er kann seine Mannschaft auch gegen jeden anderen Gegner gut einstellen.“

1. FC Union Berlin unter Steffen Baumgart stabilisiert

Letzteres aber hat Baumgart in seiner Funktion als Trainer in Köpenick in genau einem Jahr mittlerweile ebenfalls nachgewiesen. Nach ein paar Startschwierigkeiten, deren Ursache in der Findungsphase zwischen ihm und der Mannschaft lag, hat sich das Team stabilisiert und nach dem souveränen Klassenerhalt im Frühjahr 2025 in der laufenden Spielzeit bereits 21 Punkte gesammelt. Darunter seien welche gewesen, die man nicht hätte holen müssen, wie etwa die drei Zähler beim FC St. Pauli, von denen Baumgart am Donnerstag sprach, aber auch Punkte, wie die drei gegen RB Leipzig, die man sich erarbeitet hat.

Am Sonnabend gilt es für Baumgart und seine Mannschaft in einem, bedingt durch die Rückkehr von Urs Fischer, emotional spannungsgeladeneren Spiel als gewohnt, an die jüngsten Leistungen anzuknüpfen und alle Nebengeräusche von den Fans auszublenden. Lediglich das angekündigte Wetter könnte zum Spielverderber aller Planungen werden. „Am Ende sind alle Spekulationen müßig. Wir sehen alle den Wetterbericht – ob und wie viel Schnee tatsächlich fallen wird, wissen wir leider nicht.“