Machtdemonstration

Vasallen-Talk in Washington: Trump wütet, Merz nickt

Warum sitzt der deutsche Kanzler lächelnd neben Trump, während dieser unflätig über andere herzieht? Warum verteidigt Merz seine Freunde nicht?

03.03.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump (r.) mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus.
03.03.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump (r.) mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus.ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP

Zu Beginn seines Besuchs in Washington muss sich Merz eine gute halbe Stunde lang vor der Weltpresse die Tiraden des amerikanischen Präsidenten anhören. Das Format könnte den Titel „Vasallen“-Talk tragen: Der amerikanische Präsident holt sich europäische und andere, ihm ergebene Politiker ins Weiße Haus. Sie fungieren als Komparsen. Trump hält wirre Monologe, die Komparsen nicken. Die Inszenierung lebt von der inhärenten Gewaltlust Trumps gegenüber mehr oder weniger allen anderen Staatschefs der Welt. Das Spiel gelingt, weil die Komparsen dasitzen wie die Jungfrauen mit Jack the Ripper an der nächtlichen Bar: Ein falsches Wort und das Messer blitzt auf. Ja, Jack, du bist schön. Natürlich Jack, du bist schlau. Wir vertrauen deiner Armee, Donald! Trump kann jedem eine Atombombe auf den Kopf werfen. Internationales Recht gilt für ihn nicht, nur seine eigene Moral, sagte Trump neulich der New York Times.

Merz, der zu Hause eben noch Trump nachgeäfft hat bei einer politischen Gaudi, ist devot und dankbar, weil er weiß: Er wird ohnehin nicht zu Wort kommen. Trump the Ripper will nur sich selbst hören, denn Trump ist überzeugt: Er ist der intelligenteste Politiker der Welt, alle anderen sind „low IQ people“.

Berliner Zeitung

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