Meine Freunde, mein Stadtbild, mein Frust

Zwischen Moral und Realität: Unsere abgestandene Migrationsdebatte

Wer in linken Kreisen Fehler der eigenen Migrationspolitik anspricht, gilt schnell als Steigbügelhalter der Rechten. Doch die Folgen einer falsch verstandenen Toleranz sind real. Ein Gastbeitrag.

Menschen auf dem Tempelhofer Feld
Menschen auf dem Tempelhofer FeldEmmanuele Contini/imago

Wenn ich versuche, mit meinen der Zukunft zugewandten politischen Freunden über die guten alten Zeiten in West-Berlin und die Folgen unserer Multikulti-Doktrin und die ihr innewohnende falsche Toleranz zu sprechen, ernte ich Entrüstung. Ich liefere „den Nazis“ Futter, heißt es. Damit ist man in diesen Kreisen entwaffnet; wer will schon Steigbügelhalter der Partei sein, die keinesfalls eine Alternative für Deutschland ist? Neulich holte ich mir Verstärkung, indem ich den FAZ-Kollegen Jasper von Altenbockum ins Feld führte, der nach Friedrich Merz’ verunglückten, durchaus rassistischen Anwürfen bezüglich des „Stadtbilds“ über unsere „Lebenslügen der Einwanderung“ kommentiert hatte: „In Deutschland diente ‚Multikulti‘ als Gegen­entwurf zum Nationalstaat, und das konnte vermeintlich nur Gutes und Schönes bedeuten.“

Berliner Zeitung

Mit einem Abo weiterlesen

  • Zugriff auf alle B+ Inhalte
  • Statt 9,99 € für 2,00 € je Monat lesen
  • Jederzeit kündbar