Bericht

Eine spaltende Erinnerungskultur belastet weiterhin das Verhältnis zwischen Serbien und Kroatien

Dreißig Jahre nach der Operation „Oluja“: Kroatien feiert, Serbien trauert – und die Kluft bleibt tief. Eine Analyse.

Militärparade in Zagreb Ende Juli 2025
Militärparade in Zagreb Ende Juli 2025IMAGO/Boris Kovacev

Am 5. August wird in Kroatien, wie jedes Jahr, der Militäroperation „Oluja“ (dt. „Sturm“) gedacht. Kommende Woche steht der 30. Jahrestag an, der wieder als nationale Triumphveranstaltung begangen wird. Es wird ein Tag der Paraden, der patriotischen Lieder und der Heldenverehrung. In der Kleinstadt Knin, einst Hochburg der serbischen Krajina-Republik, wird die Rückeroberung durch das kroatische Militär alljährlich mit Festakten zelebriert.

Die Operation „Oluja“ war der letzte und entscheidende militärische Schlag im kroatischen Unabhängigkeitskrieg, dem sogenannten Domovinski rat (dt. „Heimatkrieg“). Innerhalb weniger Tage im August 1995 gelang es den kroatischen Streitkräften, das von serbischen Separatisten gehaltene Gebiet der selbsternannten „Republik Serbische Krajina“ militärisch zu besiegen und damit die territoriale Integrität Kroatiens wiederherzustellen.

Aus kroatischer Sicht markiert die Operation daher das Ende des Krieges gegen die jugoslawische Volksarmee und gegen die serbischen Paramilitärs, der 1991 mit der kroatischen Unabhängigkeitserklärung begonnen hatte. Drei Jahrzehnte nach dem militärischen Sieg bleibt jedoch das Trauma auf der anderen Seite der Donau bestehen. Für Serbien bedeutet derselbe Tag den Beginn einer der größten Fluchtbewegungen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Berliner Zeitung

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