Politik

Hohe Krankenstände im Betrieb: Wie eine bayerische Initiative gegensteuert

Das deutsche Gesundheitssystem ist vor allem auf die Behandlung von Krankheiten ausgerichtet, während Gesundheitsvorsorge zu kurz kommt – so eine Analyse des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Hier will die bayerische Initiative „Gesund durch den Winter“ ansetzen und setzt auf betriebliche Gesundheitsprävention. Der Fokus liegt auf der Infektsaison, wenn hohe Krankenstände Unternehmen erheblich belasten können.

Treiben saisonale Atemwegsinfektionen die Krankenstände in die Höhe, kann das Unternehmen mit Personalengpässen schwer treffen.
Treiben saisonale Atemwegsinfektionen die Krankenstände in die Höhe, kann das Unternehmen mit Personalengpässen schwer treffen.Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-mannlich-krank-grippe-6285304/

Personalplanung: Wenn Ausfälle zum Stresstest werden

Erreger wie das Grippevirus führen besonders in der kalten Jahreszeit vermehrt zu Infekten und treiben regelmäßig die Krankenstände nach oben. Eine Analyse des Berliner IGES Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit ergab, dass 2024 Beschäftigte deutschlandweit im Schnitt an 19,7 Tagen fehlten. Auswertungen für das erste Halbjahr 2025 zeigen: Atemwegserkrankungen machten mit 22,4 Prozent den größten Anteil am Krankenstand aus. Für Betriebe ist eine hohe Zahl an Krankmeldungen besonders dann ein Problem, wenn ohnehin Personal fehlt. Das gilt vor allem für das Gesundheitswesen, das Baugewerbe sowie den Bereich öffentliche Verwaltung und Soziales.

Fehlzeiten: Warum Entgeltfortzahlung und Ausfälle teuer werden

Hohe Krankenstände belasten Unternehmen nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell. Allein die Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall betrugen 2024 deutschlandweit rund 82 Milliarden Euro, eine Verdopplung gegenüber 2010. Untersuchungen zeigen außerdem, dass hohe Krankenstände hohe volkswirtschaftliche Belastungen mit sich bringen: Aufgrund der vielen Krankmeldungen summierten sich die finanziellen Verluste allein zwischen 2022 und 2023 auf über 50 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund kann Gesundheitsprävention zum Standort- und Wettbewerbsfaktor werden.

Initiative „Gesund durch den Winter“: Wie ein Bündnis Prävention voranbringen will

Die bayerische Initiative „Gesund durch den Winter“ möchte die Belastungen für Unternehmen, deren Beschäftigte und die Wirtschaft als Ganzes reduzieren, indem sie die Stärkung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge vorantreibt. Das Aktionsbündnis steht unter der Schirmherrschaft von Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Arbeitskreises für Gesundheit, Pflege und Prävention der CSU-Landtagsfraktion. Zahlreiche Partner aus Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen beteiligen sich an der Initiative, die an bewährte Präventionsstrukturen und bestehende Kooperationen zwischen Unternehmen, Krankenkassen und Gesundheitsakteuren anknüpfen möchte.

Krankenstände im Betrieb reduzieren: Niedrigschwellige Impfangebote, etwa durch Betriebsärzte, können dazu beitragen.
Krankenstände im Betrieb reduzieren: Niedrigschwellige Impfangebote, etwa durch Betriebsärzte, können dazu beitragen.Quelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-professionell-klinik-arzt-3985170/

Impfangebote im Betrieb: Wie Prävention ohne große Hürden gelingen soll

„Gesund durch den Winter“ setzt dabei besonders auf niedrigschwellige Impfangebote im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Hintergrund: Einer Studie der Uniklinik RWTH Aachen zufolge bestehen bei rund 73 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Impflücken bei Standardimpfungen wie der Grippeimpfung. Niedrigschwellig bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: Impfungen sollen in den Betrieben kostenfrei für die Beschäftigten angeboten werden – ohne lange Wartezeiten, während der Arbeitszeit und idealerweise in Verbindung mit arbeitsmedizinischen Untersuchungen.

Vulnerable Gruppen im Fokus: Für wen Schutz im Winter besonders wichtig ist

Die Initiative benennt verschiedene Personengruppen, für die Präventionsangebote eine besondere Rolle spielen sollten. Dazu zählen Beschäftigte ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Mitarbeitende mit viel Publikumsverkehr. Präventive Maßnahmen, vor allem Impfungen, können sich für diese Gruppen besonders auszahlen: Sie senken das Risiko für schwere Krankheitsverläufe und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen, längeren Ausfallzeiten und Krankenhausaufenthalten. Außerdem lässt sich das Risiko reduzieren, dass Infektionen an andere Personen und gefährdete Gruppen weitergegeben werden.

Finanzielle Hebel: Welche Steuervorteile Unternehmen nutzen können

Betriebliche Gesundheitsförderung rechnet sich oft auch finanziell: Der Staat unterstützt Unternehmen mit Steuervorteilen. Arbeitgeber können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 600 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr steuerfrei in Gesundheitsmaßnahmen investieren. Darüber hinaus verweist „Gesund durch den Winter“ auf Fördermöglichkeiten durch Krankenkassen sowie auf kostenlose Beratungsangebote durch die Betriebliche Gesundheitsförderungs-Koordinierungsstelle.

Politischer Rahmen: Welche Schritte Prävention künftig erleichtern sollen

In Bayern erhält die Initiative „Gesund durch den Winter“ politischen Rückenwind durch den „Masterplan Prävention“, den das bayerische Gesundheitsministerium im Oktober 2025 vorgestellt hat. Mit mehr als 250 Maßnahmen liefert der Aktionsplan zusätzliche Impulse für die Gesundheitsvorsorge. Vorgesehen sind zum Beispiel die Einführung eines Präventionstags sowie landesweit kostenlose, niedrigschwellige Sportangebote.

Die Initiative „Gesund durch den Winter“ fordert darüber hinaus strukturelle Verbesserungen wie etwa:

· Ausbau von niedrigschwelligen Impfangeboten (auch in Apotheken und Pflegeeinrichtungen)

· Abbau von bürokratischen Hürden bei betrieblichen Impfaktionen

· Aufklärungsoffensive zu Schutzimpfungen im Erwachsenenalter

· Einführung des elektronischen Impfpasses und Integration in die elektronische Patientenakte

Das Aktionsbündnis „Gesund durch den Winter“ verfolgt eine auf Dauer ausgelegte Präventionsstrategie. Routinemäßige Auffrischungsimpfungen sollten sich etablieren und zur nachhaltigen Stärkung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge beitragen.

Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurden durch eine externe Redakteurin vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.