Ausgehen

Hier hört Berlin genau hin: Das sind die besten Listening Bars fürs Wochenende

Der Frühling bringt Berlin wieder vor die Tür – und direkt in die Bars, in denen Musik ganz bewusst gehört wird. Wir präsentieren die besten Listening Bars der Stadt.

<strong></strong>Sorgfältig kuratiert: In diesen Berliner Listening Bars dreht sich der Abend um Vinyl.
Sorgfältig kuratiert: In diesen Berliner Listening Bars dreht sich der Abend um Vinyl.Gianni Plescia

Gedimmtes Licht, leises Klirren von Gläsern, hinter dem Pult zieht ein DJ die nächste Vinylplatte aus der Hülle und setzt die Nadel auf. Ein kurzes Knistern, dann breitet sich der Sound im ganzen Raum aus.

Das Konzept der Listening Bar, manchmal auch Hörbar genannt, stammt aus dem Japan der 1950er-Jahre. In sogenannten Jazz-Kissas, kleinen Cafés mit Schallplatten und qualitativen Lautsprechern, trafen sich Musikliebhaber, um gemeinsam Platten zu hören. Die Orte waren nicht zum Tanzen gedacht, sondern zum Zuhören. Entsprechend viel Sorgfalt steckt auch darin: Bis heute dürfen oft nur ausgewählte DJs auflegen, die mit fast chirurgischer Präzision arbeiten. Der Unterschied zu einer klassischen Bar oder einem Club liegt dabei vor allem in der Klangqualität und der sorgfältig kuratierten Musikauswahl.

Solche Orte findet man auch in Berlin. Ganz neu ist das allerdings nicht. Seit einigen Jahren eröffnen immer mehr Bars, die Musik bewusst in den Mittelpunkt stellen möchten. Das passt zu einem größeren Trend: Momentan erlebt vieles wieder ein analoges Comeback, auch in der Musik mit Vinyl statt Streaming. Mit der gleichen Präzision wie die japanischen Vorbilder gehen jedoch nicht alle Bars vor. Das Konzept der Listening Bar ist angesagt, und nicht jeder Ort, der sich so nennt, folgt der ursprünglichen Idee tatsächlich.

Auch wenn der Trend also nicht neu ist – hier sind unsere fünf liebsten Listening Bars, die zeigen, warum er bleiben sollte.

1. Rhinoçéros in Prenzlauer Berg

Im Rhinoçéros stammen die Vinylplatten aus der eigenen Sammlung der Betreiber.
Im Rhinoçéros stammen die Vinylplatten aus der eigenen Sammlung der Betreiber.Ollie Tomlinson

Eine Hommage an die japanische Jazz-Bar-Kultur findet man in Prenzlauer Berg. Das Rhinoçéros betreibt Bénédict Berna gemeinsam mit seiner Frau Martina Carl – ein Ort, der ganz dem gewidmet ist, was sie am meisten lieben: Musik. Gespielt werden Vinyls aus ihrer eigenen Sammlung, aufgelegt auf einem Plattenspieler aus den frühen 1980er-Jahren. Dazu werden ausgezeichnete Drinks und sorgfältig ausgewählte Weine gereicht. Ein Ort, an dem man Musik in Ruhe genießen kann – und die Gastfreundschaft gleich mit.

Rhinoçéros. Rhinower Straße 3, 10437 Berlin. Di–Sa 18.30–1 Uhr, So 18–24 Uhr. Weitere Informationen unter www.rhinoceros-berlin.com

2. Migas in Charlottenburg

Inspiriert von einem Kindheitsgericht: Im Migas wird Musik genauso geteilt wie das Essen.
Inspiriert von einem Kindheitsgericht: Im Migas wird Musik genauso geteilt wie das Essen.Gianni Plescia

Im Migas gehört zur Musik auch gutes Essen. Die Listening Bar wird von José „Joma“ Jiménez Moreno betrieben, der aus Madrid nach Berlin kam und seit seiner Kindheit Platten auflegt. Der Name der Bar stammt von einem Gericht aus seiner Kindheit: Migas – gebratene, gewürzte Brotkrumen, die seine Familie nach der Weinlese gemeinsam aß.

Diese Idee des Teilens spiegelt sich auch in der Bar wider. Die Karte ist bewusst klein gehalten, jedes Gericht sorgfältig ausgewählt. Während im Raum Vinyl läuft, kann man hier essen, trinken und Musik hören – ein Ort für alle, die den Abend gerne etwas länger ausdehnen.

Migas. Lindower Straße 19, 13347 Berlin. Di–Do 19–24 Uhr, Fr–Sa 19–2 Uhr. Weitere Informationen unter  www.migas.berlin

3. Unkompress in Kreuzberg

Ein offener Raum für Musik, geprägt von verschiedenen Kulturen
Ein offener Raum für Musik, geprägt von verschiedenen KulturenAlexa Bendek

Jede Platte im Unkompress hat ihre eigene Geschichte. Manche hat Kevin Rodriguez in einem der vielen Berliner Plattenläden entdeckt, andere wurden ihm von seinen Gästen empfohlen. Der aus New York stammende Betreiber der Bar in Kreuzberg serviert neben der Musik Filterkaffee, Naturweine und kleine Meeresfrüchte-Snacks aus Spanien und Portugal. So wächst die Sammlung weiter und macht jeden Besuch ein bisschen anders als den davor – ein guter Anlass, immer wieder vorbeizukommen.

Unkompress. Fichtestraße 23, 10967 Berlin. Mi–Do 18–24 Uhr, Sa 14–1 Uhr, So 15–22.30 Uhr. Weitere Informationen unter   www.instagram.com/unkompress

4. Bar Neiro in Mitte

Wie schmeckt eigentlich ein Cocktail, der von der japanischen Barkultur inspiriert ist? Das lässt sich in der Bar Neiro herausfinden. Die Drinks werden hier selbst kreiert, dazu läuft ausschließlich Vinyl – jede Platte von Anfang bis Ende. Die Hörbar gehört zur Analogue Foundation Berlin, einer Initiative, die sich der analogen Musikkultur widmet und auch Tonstudios und Produktionsräume betreibt. Damit das Zuhören im Mittelpunkt steht, ist der Raum bewusst klein gehalten und die Zahl der Gäste begrenzt. Wer kommen möchte, bucht sich deshalb am besten vorab einen Zeitslot und nimmt Platz.

Bar Neiro. Ohmstraße 11, 10179 Berlin. Di–So 19-1 Uhr. Weitere Informationen unter www.barneiro.com

5. Kwia in Neukölln

Zu Gast im Kwia: Hier beginnt der Abend auf Teppichen und Kissen – und wie in einer anderen Welt.
Zu Gast im Kwia: Hier beginnt der Abend auf Teppichen und Kissen – und wie in einer anderen Welt.Kwia

Im Kwia am Maybachufer fühlt sich eine Listening Bar eher wie ein Wohnzimmer an. Am Eingang werden die Schuhe ausgezogen, danach geht es über Teppiche und vorbei an großen Kissen in einen Raum, in dem man es sich sofort bequem machen möchte. Statt Barhockern und dichtem Gedränge sitzen viele Gäste einfach auf dem Boden, lehnen an der Wand oder machen es sich auf den Polstern gemütlich. Der Raum wirkt bewusst unkonventionell und fast privat, fast schon wie ein Zuhause auf Zeit.

Während Vinyl läuft, stehen Naturweine und kreative Cocktails mit Zutaten wie Pandan oder Lemongrass auf der Karte. Wer möchte, bestellt sich auch einfach einen Tee und hört eine Weile zu.

Kwia. Maybachufer 16, 12047 Berlin. Di 20–1 Uhr, Mi–So 20–2 Uhr. Weitere Informationen unter www.instagram.com/kwia.berlin