Borreliose

Zecken in Deutschland: RKI benennt neue FSME-Risikogebiete

Die Zecken-Gefahr in Deutschland wächst. 185 Kreise gelten jetzt als neue Risikogebiete. Ein Mediziner empfiehlt, gesamtes Bundesgebiet als Risikogebiet einzustufen.

In Deutschland steht die Zecken-Saison bevor.
In Deutschland steht die Zecken-Saison bevor.Marijan Murat/dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seine jährlich aktualisierte Karte der FSME-Risikogebiete veröffentlicht und zwei neue Regionen hinzugefügt: den Landkreis Nordsachsen und die Stadt Halle (Saale). Damit gelten in Deutschland nun insgesamt 185 Kreise als Risikogebiete für die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Die Schwerpunkte der Risikogebiete liegen nach wie vor in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im östlichen Sachsen-Anhalt und im südöstlichen Brandenburg. Vereinzelte Risikogebiete finden sich auch in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen. Die Einstufung basiert auf Meldedaten zu FSME-Erkrankungen, die das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht.

Niedrige Impfquoten trotz wirksamem Schutz

Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, geht allerdings deutlich weiter als die offizielle Einstufung: Er teilte mit, eine Infektion mit FSME sei inzwischen in ganz Deutschland möglich. Dobler empfahl, das gesamte Bundesgebiet als Risikogebiet einzustufen und die bisherigen Risikogebiete als Hochrisikogebiete zu kennzeichnen. Für das Jahr 2025 seien bislang 693 gesicherte Fälle registriert worden, so Dobler. Im Vorjahr 2024 waren es 695 gemeldete Erkrankungen, im Jahr 2020 lag die Zahl bei 718.

Das RKI betont, dass die FSME-Impfung den zuverlässigsten Schutz gegen die Erkrankung biete. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung allen Personen, die in Risikogebieten leben, arbeiten oder sich dort aufhalten und dabei Zeckenstichen ausgesetzt sein könnten. Dennoch bleiben die Impfquoten selbst in Risikogebieten auf niedrigem Niveau: 98 Prozent der im Jahr 2022 gemeldeten FSME-Erkrankten waren laut RKI nicht oder unzureichend geimpft. Ein hoher Anteil der Fälle gelte damit als vermeidbar.

Infektion verläuft oftmals ohne Symptome

FSME wird in Deutschland vor allem durch die Zeckenarten „Gemeiner Holzbock" und „Auwaldzecke" übertragen. Das verursachende TBE-Virus gelangt bereits zu Beginn des Saugakts in den menschlichen Körper – ein späteres Absuchen und Entfernen der Zecke bietet daher nur eingeschränkten Schutz. Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 14 Tage, die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. In leichten Fällen treten grippeähnliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen auf. In schweren Fällen kann es zu neurologischen Komplikationen kommen – darunter Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit Bewusstseinsstörungen und Lähmungen sowie Rückenmarksentzündung (Myelitis) mit Lähmungen in Armen oder Beinen. Das Risiko eines schweren Verlaufs ist bei Menschen über 60 Jahren sowie bei Vorerkrankungen wie Bluthochdruck deutlich erhöht.

Neben FSME können Zecken auch die Erreger der Lyme-Borreliose übertragen, einer bakteriellen Infektion, die laut RKI wesentlich häufiger vorkommt und deutschlandweit auftritt. Erstes Anzeichen ist häufig eine sich ausbreitende Rötung um die Einstichstelle. Im weiteren Verlauf können Nerven, Gelenke und Herz betroffen sein.

Das RKI rät, geschlossene Kleidung zu tragen, Unterholz und hohes Gras zu meiden und auf festen Wegen zu bleiben, um Zeckenstiche zu vermeiden. Zudem sollten Zecken umgehend entfernt und die Wunde desinfiziert werden.