ZDF-Sendung „Markus Lanz“

„Schleimspur, auf der man bis heute ausrutschen kann“: Kritik an US-Strategie der Nato

Die Gäste der Polittalkshow diskutieren erneut über Grönland. Dabei regt sich scharfe Kritik an US-Präsident Trump – aber auch an der Nato und Europa.

Bei Markus Lanz wurde am Mittwochabend über Grönland und die USA diskutiert.
Bei Markus Lanz wurde am Mittwochabend über Grönland und die USA diskutiert.Markus Hertrich/ZDF/dpa

Die Gäste der ZDF-Polittalkshow „Markus Lanz“ haben am Mittwochabend erneut über die Ansprüche des US-Präsidenten Donald Trump auf Grönland diskutiert. Zu Gast waren dabei Jürgen Trittin, früherer Bundesumweltminister (Grüne), Ulf Röller, ZDF-Korrespondent, und Jana Puglierin, Politologin.

Nach dem Auftritt von Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärt Röller das transatlantische Verhältnis für „beendet“. Er bezeichnete den Präsidenten als jemanden, „der permanent von sich selbst berauscht ist“.

Davos: Trump bekräftigt Anspruch auf Grönland

Trump hatte in seiner über 80-minütigen Rede seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt und sofortige Verhandlungen mit Dänemark gefordert. Nur Stunden später kündigte er an, die für den 1. Februar geplanten Strafzölle gegen europäische Länder vorerst nicht zu erheben – angeblich wegen eines Rahmenabkommens mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

„Mit dieser absoluten Unverlässlichkeit ist quasi das transatlantische Verhältnis beendet“, sagte Röller. Er stellte die Frage, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj oder die Europäer „einem Präsidenten glauben“ könnten, „der innerhalb von wenigen Stunden komplett seine Meinung ändert“.

Trittin zog einen Vergleich zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Es gibt offensichtlich eine Gemeinsamkeit zwischen Trump und Putin – und die lautet, dass in dem, was sie für ihre Hemisphäre erklären, andere Staaten nur eine eingeschränkte oder keine Souveränität haben“, sagte Trittin.

Er forderte zudem ein Umdenken in der deutschen und europäischen Politik: „Wir müssen aufhören, gegenüber Trump immer den schönsten Fall anzunehmen, sondern wir müssen mitdenken, was als Worst-Case eintreten kann.“ Die bisherige Beschwichtigungspolitik sei „eine Strategie des Scheiterns gewesen“.

Verhalten Trump gegenüber: Scharfe Kritik an Rutte

Kritisiert wurde dabei auch die Rolle des Nato-Generalsekretärs Mark Rutte. Er bemühe sich sichtbar um Nähe zu Trump, beschreibt Puglierin. Lanz kommentiert diese Strategie: „Ja, die Schleimspur, auf der man bis heute ausrutschen kann.“

Röller verwies auch auf die internationale Dimension: Während Trump „die ganze Welt durch den Fleischwolf dreht“, hätten die Chinesen verstanden, diese Situation für sich zu nutzen, indem sie sich als verlässlicher Partner inszenierten. Die Nachkriegsordnung, so Röllers Fazit, „ist zu Ende gegangen“.