Der frühere Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki hat im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der Funke Mediengruppe erklärt, warum er für den FDP-Vorsitz kandidiert – und mit deutlichen Worten gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ausgeteilt. Auslöser für seinen Entschluss sei Merz' Aussage gewesen, die FDP sei nach den jüngsten Landtagswahlen tot und ehemalige FDP-Wähler sollten sich künftig der Union zuwenden.
„Und in der Sekunde habe ich gedacht, ich wiederhole das jetzt hier auch so, weil das wirklich der Gedanke war: Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!“, sagte der 74-Jährige im Gespräch. Diese Reaktion habe er auch bei vielen Parteimitgliedern beobachtet, die nach den verlorenen Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz frustriert gewesen seien.
Kubicki schließt Koalition mit der AfD aus
Im Umgang mit der AfD vertritt Kubicki eine pragmatische Linie. „Ich kenne keine Brandmauer“, sagte er. Er werde keine Veranstaltung meiden, nur weil dort ein AfD-Vertreter auftrete, und seine politischen Überleg„ungen nicht davon abhängig machen, ob die AfD zustimmen könnte. Ich würde keinem AfD-Antrag zustimmen, aber ich würde meine Anträge nicht davon abhängig machen, dass die AfD zustimmen könnte“, so Kubicki. „Würde ich das tun, wie dumm ist das denn, würde ich die komplette Agenda der AfD in die Hand geben“. Eine Koalition mit der AfD oder eine Duldung durch die Partei schloss er hingegen aus.
Kubicki bezeichnete die Kandidatur als die schwerste Entscheidung seines Lebens. Nach 56 Jahren Mitgliedschaft in der FDP habe er nicht zusehen wollen, wie die Partei zugrunde gehe. Seine Frau habe ihn schließlich bestärkt: Würde er nicht antreten, würde er sein Leben lang bereuen, nicht alles versucht zu haben.
Sein Alter sieht Kubicki nicht als Hindernis. Er verwies auf Konrad Adenauer, der mit 73 Jahren Bundeskanzler wurde, Winston Churchill, der mit 76 erneut britischer Premierminister wurde, und Nelson Mandela, der mit 75 Präsident Südafrikas wurde. Donald Trump zeige allerdings, dass man im hohen Alter auch „Unsinn machen“ könne.

