Die Besatzung des größten Kriegsschiffs der US-Marine steht unter enormem Druck: Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford ist seit Juni vergangenen Jahres ununterbrochen auf See, und eine zweite Verlängerung des Einsatzes durch Präsident Donald Trump treibt Matrosen und deren Angehörige an ihre Grenzen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Interviews mit Besatzungsmitgliedern und deren Familien.
Die Ford, auf der rund 5.000 Soldatinnen und Soldaten dienen, war ursprünglich für eine Mission im Mittelmeer vorgesehen. Im Oktober wurde das Schiff jedoch in die Karibik umgeleitet, um Öltanker-Beschlagnahmungen und die Festnahme des damaligen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro zu unterstützen.
Verlängerung nach Verlängerung
Anfang dieses Jahres folgte die nächste Order: eine erneute Verlängerung mit Kurs über den Atlantik in den Nahen Osten, um mögliche amerikanische Luftangriffe auf den Iran zu unterstützen. Am vergangenen Freitag passierte die Ford die Straße von Gibraltar in östlicher Richtung, wie Satellitenaufnahmen des Wall Street Journal belegen.
Reguläre Einsätze von Flugzeugträgern in Friedenszeiten dauern in der Regel sechs Monate, mit einem Puffer von wenigen zusätzlichen Monaten für Notfälle, erklärte der pensionierte Konteradmiral Mark Montgomery gegenüber der Zeitung. Die Besatzung der Ford sei jedoch bereits acht Monate von zu Hause entfernt – ein Einsatz von bis zu elf Monaten sei möglich. Das wäre ein Rekord für einen ununterbrochenen Einsatz eines US-Marineschiffs.
Verpasste Beerdigungen und verstopfte Toiletten
Die Belastungen zeigen sich in konkreten Einzelschicksalen. Eine Matrosin erklärte dem Wall Street Journal, sie erwäge ernsthaft, die Marine zu verlassen. Sie vermisse ihre kleine Tochter, doch am schlimmsten sei die Ungewissheit, wann sie ihre Familie wiedersehen werde. Viele Besatzungsmitglieder seien wütend und frustriert, einige wollten nach dem Einsatz den Dienst quittieren.
Jami Prosser aus Pennsylvania berichtete, sein Sohn, der als Flugdeck-Koordinator auf der Ford dient und selbst zwei Kinder hat, habe während des Einsatzes den Tod seines Urgroßvaters, die Scheidung seiner Schwester und gesundheitliche Probleme seines Bruders verpasst. Zudem könne er dringend nötige Reparaturen an seinem Haus nicht durchführen. Manchmal höre er wochenlang nichts von seinem Sohn, wenn das Schiff im sogenannten „Ghost Mode“ – also unter Funkstille – operiere, sagte Prosser. Dann klingele nachts um drei Uhr das Telefon, wenn das Schiff einen Hafen anlaufe.
Kommandant räumt Belastung ein
Der Kommandant der Ford, Captain David Skarosi, gestand in einem Brief an die Familien der Besatzung vom 14. Februar den „Stich“ der erneuten Verlängerung ein und schrieb, selbst er sei davon überrascht worden. Er habe erwartet, bald zu Hause den Zaun in seinem Garten zu reparieren. „Ich habe mit vielen eurer Matrosen gesprochen, die sich damit abfinden müssen, Disney-World-Pläne, Hochzeiten und Frühlingsferien-Ausflüge zu verpassen“, schrieb Skarosi. Doch „wenn unser Land ruft, antworten wir“, schloss er.

