Kosovo

USA fordern Serbien zum Militärabzug an Grenze zum Kosovo auf

Die serbische Aufrüstung sei besorgniserregend, hieß es von den USA. US-Außenminister Blinken forderte den serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic zur „sofortigen Deeskalation“ auf.

Die kosovarische Polizei zeigt nach den Kämpfen mit dem Kommandotrupp beschlagnahmte Waffen und militärische Ausrüstung.
Die kosovarische Polizei zeigt nach den Kämpfen mit dem Kommandotrupp beschlagnahmte Waffen und militärische Ausrüstung.Visar Kryeziu/AP

Die USA haben Serbien aufgefordert, seine an der Grenze zum Kosovo stationierten Truppen abzuziehen. „Wir beobachten eine große serbische Militärpräsenz entlang der Grenze zum Kosovo“, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Freitag. Dazu gehöre „eine noch nie dagewesene Stationierung von fortgeschrittener serbischer Artillerie, Panzern und mechanisierten Infanterieeinheiten“. „Wir glauben, dass das eine sehr destabilisierende Entwicklung ist.“

Der Zweck der serbischen Aufrüstung sei noch nicht klar, aber besorgniserregend. US-Außenminister Antony Blinken habe in einem Telefonat mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic die Notwendigkeit einer „sofortigen Deeskalation und einer Rückkehr zum Dialog“ betont.

Am vergangenen Sonntag hatte sich im Nordkosovo mit tödlichen Zusammenstößen der schwerste Zwischenfall in der Region seit Jahren ereignet. Bei einem Angriff auf eine kosovarische Polizei-Patrouille war ein Polizist getötet worden. Später verschanzten sich etwa 30 bewaffnete Männer in einem Kloster. Drei bewaffnete Serben wurden bei Schusswechseln mit der Polizei getötet.

Pristina wirft Milan Radojicic vor, Anführer der Bewaffneten gewesen zu sein

Ein Mitglied einer großen kosovo-serbischen Partei teilte am Freitag über seinen Anwalt mit, die Gruppe ohne das Wissen Belgrads organisiert zu haben. Pristina wirft Milan Radojicic vor, der Anführer der Bewaffneten gewesen zu sein, die den Polizisten getötet hatten.

Radojicic erklärte in einem offenen Brief, er habe als Reaktion auf den „Terror“ der kosovarischen Regierung gegen die örtliche serbische Gemeinschaft gehandelt. Ziel sei es gewesen, „die Bedingungen zu schaffen, um den Traum von der Freiheit (seines) Volkes im Nordkosovo zu verwirklichen“.

Kirby: Angriff war„sehr ausgeklügelt“

Kirby sagte, der Angriff sei „sehr ausgeklügelt“ gewesen und habe rund 20 Fahrzeuge, „militärische“ Waffen, Ausrüstung und Ausbildung umfasst. Es sehe „nicht so aus, als hätten sich einfach ein paar Leute zusammengetan, um das zu tun“.

Kirby sagte außerdem, dass die Nato nach dem Angriff die Präsenz ihrer KFOR-Friedenstruppe im Kosovo erhöhen werde. In Brüssel bestätigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass das westliche Militärbündnis bereit sei, seine Friedenstruppen vor Ort zu verstärken, um auf die Lage zu reagieren. „Wir werden stets alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ein sicheres Umfeld und die Bewegungsfreiheit für alle im Kosovo lebenden Menschen zu gewährleisten“, sagte Stoltenberg.

Wie viele Soldaten dort stationiert werden sollen, war zunächst unklar. Später teilte das britische Verteidigungsministerium mit, dass Großbritannien ein Bataillon mit 500 bis 650 Soldaten für die KFOR zur Verfügung gestellt habe. Die Soldaten seien kürzlich zu lange geplanten Übungen in der Region eingetroffen.

Die überwiegende Mehrheit der 1,8 Millionen Einwohner im Kosovo sind ethnische Albaner. Dazu kommen 120.000 Serben, die vor allem im Norden des Landes leben. 2008 hatte das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, die von Belgrad jedoch nicht anerkannt wird.