US-Vizepräsident JD Vance hat in einem Interview mit dem Sender Fox News die europäischen Verbündeten scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, sich in zentralen Politikfeldern „selbst zu sabotieren". Zugleich betonte er, die US-Regierung wolle ein starkes Europa – allerdings zu amerikanischen Bedingungen.
„Das Problem mit Europa ist nicht, dass wir es nicht mögen", sagte Vance gegenüber Moderatorin Martha MacCallum in der Sendung „The Story" am 17. Februar 2026. Auch wenn europäische Medien das so darstellten, respektiere Washington seine Verbündeten durchaus. „Es ist vielmehr so, dass sie sich selbst vielfach sabotieren. Wir möchten, dass das aufhört."
Konkret nannte Vance drei Felder, auf denen US-Präsident Donald Trump Fortschritte von den Europäern einfordere: höhere Verteidigungsausgaben, stärkeren Grenzschutz und einen besseren Schutz der Meinungsfreiheit. Bei den Militärausgaben sehe er tatsächlich Bewegung, bei Migration und Redefreiheit hingegen nur „ein wenig", so Vance. „Wir haben viele Fortschritte erzielt, aber offen gestanden wünschen wir uns von unseren europäischen Verbündeten deutlich mehr."
Rollenverteilung: „Bad Cop" Vance, „Good Cop" Rubio
Das Interview folgte unmittelbar auf die Münchner Sicherheitskonferenz, bei der US-Außenminister Marco Rubio einen auffallend versöhnlichen Ton angeschlagen hatte. Rubio erklärte dort, Europa und die USA „gehörten zusammen", und erhielt dafür stehende Ovationen. Vance scherzte im Fox-Interview, er sei im Vorjahr bei derselben Konferenz der „Bad Cop" gewesen, damit Rubio nun als „Good Cop" auftreten könne. Inhaltlich habe sich jedoch nichts geändert. Spekulationen über Spannungen zwischen ihm und Rubio wies er zurück.
Tatsächlich analysieren mehrere Beobachter, dass Rubios Rede zwar im Ton milder, in der Substanz aber deckungsgleich mit Vances Linie gewesen sei. Der Guardian etwa schrieb, Rubio habe dieselben Forderungen – kulturelle Identität, Migrationskritik, weniger Online-Regulierung – lediglich subtiler vorgetragen.
Merz: „Trump in freundlicherer Verpackung"
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich von der Begeisterung im Münchner Konferenzsaal irritiert. Rubios Rede sei zwar nicht so konfrontativ gewesen wie die von Vance im Vorjahr, sagte Merz im Politik-Podcast „Machtwechsel". „Aber es ist halt Trump in einer freundlicherer Verpackung." Er sei nicht im Saal gewesen, und selbst wenn, hätte er sich schwer damit getan aufzustehen. „Die Community war froh, dass da ein Amerikaner vorne stand, der sie noch als Freunde angesprochen hat. Allein das hat ja eine gewisse Emotion ausgelöst. Mir hätte es nicht gereicht."
Laut TIME warnte Merz zudem vor einer „tiefen Kluft" zwischen den USA und Europa und stellte sich demonstrativ gegen Isolationismus und kulturkämpferische Rhetorik.
Kontinuität seit München 2025
Vances aktuelle Äußerungen knüpfen nahtlos an seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2025 an. Dort hatte er erklärt, Europas größte Gefahr komme „nicht von außen, sondern von innen" – durch Einschränkungen der Meinungsfreiheit, den Ausschluss populistischer Kräfte und eine angebliche Missachtung demokratischer Normen. Konkret kritisierte er damals Rumänien wegen der Annullierung einer Wahl, Deutschland wegen des Umgangs mit der AfD sowie Großbritannien und Schweden wegen Einschränkungen in Meinungs- und Religionsfragen.
Die Rede löste damals scharfe Reaktionen aus. Der damalige deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete Vergleiche Europas mit autoritären Regimen laut Al Jazeera als „inakzeptabel".
Europas Sorge vor gezielter Spaltung
Zusätzlichen Unmut in Brüssel löste Rubios demonstrative Nähe zu Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán nach der Konferenz aus. Der Guardian berichtete, dies verstärke die Sorge, Washington unterstütze gezielt EU-skeptische Regierungen, um die europäische Einheit zu untergraben.
EU-Vertreter sehen in der Haltung der Trump-Administration laut Washington Post ein Muster: Einerseits werde europäische Eigenständigkeit gefordert, andererseits würden politische und gesellschaftliche Bedingungen daran geknüpft – von der Fünf-Prozent-Forderung beim Verteidigungsetat bis hin zur Öffnung gegenüber rechtspopulistischen Parteien.
In früheren Interviews hatte Vance argumentiert, Europa solle kein „permanenter Sicherheitsvasall" der USA sein. Mehr Eigenständigkeit sei grundsätzlich wünschenswert – allerdings auf Basis gemeinsamer „Werte", wie er sie definiert. Die transatlantische Partnerschaft bleibt damit an Bedingungen geknüpft, deren Erfüllung in vielen europäischen Hauptstädten als Einmischung in innere Angelegenheiten wahrgenommen wird.


