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US-Demokrat Swalwell: Vergewaltigungsvorwurf erschüttert Gouverneurswahl in Kalifornien

Schwere Vorwürfe erschüttern den Gouverneurswahlkampf in Kalifornien. Vier Frauen erheben Anschuldigungen gegen Eric Swalwell, führende Demokraten ziehen Unterstützung zurück.

Der US-Abgeordnete Eric Swalwell spricht bei einer Anhörung des Heimatschutzausschusses im Repräsentantenhaus in Washington.
Der US-Abgeordnete Eric Swalwell spricht bei einer Anhörung des Heimatschutzausschusses im Repräsentantenhaus in Washington.Samuel Corum/AFP

Schwere Vorwürfe gegen den demokratischen US-Abgeordneten Eric Swalwell setzen dessen Kandidatur für das Gouverneursamt in Kalifornien massiv unter Druck. Vier Frauen werfen dem Politiker laut einem Bericht von CNN sexuelles Fehlverhalten vor. Eine frühere Mitarbeiterin sagt, Swalwell habe sie 2024 vergewaltigt, nachdem sie stark betrunken gewesen sei. Sie wirft ihm zudem einen weiteren sexuellen Übergriff aus dem Jahr 2019 vor, als sie in seinem Büro arbeitete. Swalwell weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Die ehemalige Mitarbeiterin sagte CNN, sie habe Swalwell in einem Hotelzimmer von sich weggedrückt und „nein“ gesagt. Er habe nicht aufgehört. Nach ihren Angaben wachte sie am nächsten Morgen verletzt, mit Blutungen sowie Schnitt- und Druckspuren auf. CNN berichtet, die Frau habe medizinische Unterlagen zu Untersuchungen auf sexuell übertragbare Krankheiten und eine mögliche Schwangerschaft vorgelegt. Der Sender erklärte zudem, er habe zentrale Teile ihrer Darstellung durch Textnachrichten sowie Aussagen von Angehörigen und Freunden untermauert. Unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe derzeit nicht.

Zuvor hatte bereits die Zeitung San Francisco Chronicle über die Aussagen der Frau berichtet. Demnach soll es bereits 2019 zu einem nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt gekommen sein. Die Frau sagte der Zeitung, sie sei damals nach einem Abend mit viel Alkohol nackt in Swalwells Hotelzimmer aufgewacht und habe keine Erinnerung an das Geschehen gehabt. Sie habe jedoch körperlich gespürt, dass es zu sexuellem Kontakt gekommen sei.

Weitere Frauen berichten von sexuellem Fehlverhalten

CNN berichtet darüber hinaus über drei weitere Frauen, die Swalwell unterschiedliches sexuelles Fehlverhalten vorwerfen. Eine Frau sagte dem Sender, Swalwell habe sie nach einem Treffen in einer Bar gegen ihren Willen geküsst und an ihrem Bein berührt. Später sei sie ohne klare Erinnerung in seinem Hotelzimmer gelandet. Zwei weitere Frauen werfen ihm vor, ihnen unaufgefordert Nacktbilder oder Videos seines Penis geschickt zu haben. Eine davon ist die politische Influencerin Ally Sammarco.

Nach Darstellung von CNN beschrieben mehrere der Frauen ein ähnliches Muster. Swalwell habe zunächst über soziale Medien Kontakt aufgebaut, starkes persönliches Interesse gezeigt und dabei seinen politischen Einfluss als Anziehungspunkt genutzt. Die Kommunikation sei dann zunehmend sexualisiert worden. In einigen Fällen habe das in unerwünschten körperlichen Annäherungen oder schweren Übergriffen geendet, oft nach gemeinsamem Alkoholkonsum.

Nach Angaben von CNN wurden Nachrichtenverläufe ausgewertet und Gespräche mit Freunden sowie Angehörigen der Frauen geführt. Sexuell explizite Snapchat-Nachrichten ließen sich demnach oft nicht sichern, da sie automatisch gelöscht werden.

Swalwell weist Vorwürfe zurück

Swalwell bestreitet alle Vorwürfe. In einer von Reuters und CNN zitierten Erklärung sprach er von falschen Anschuldigungen kurz vor der Wahl. „Diese Vorwürfe sexueller Übergriffe sind absolut falsch“, sagte er in einem Video. Er werde sich „mit allem, was er habe“ dagegen wehren. Zugleich räumte er „Fehler im Urteilsvermögen“ in seiner Vergangenheit ein, die jedoch seine Ehe beträfen. Sein Anwalt bestritt gegenüber CNN, dass Swalwell jemals nicht einvernehmlichen Sex mit einer Frau gehabt oder sexuelle Beziehungen mit Mitarbeiterinnen unterhalten habe. Zwei der Frauen erhielten nach Angaben von CNN Unterlassungsschreiben von Swalwells Anwalt.

Politisch trafen die Berichte Swalwell mit voller Wucht. Mehrere prominente Demokraten zogen am Freitag ihre Unterstützung zurück und forderten Aufklärung. Senator Adam Schiff erklärte, er sei „zutiefst bestürzt“ und sprach sich für ein Ende von Swalwells Gouverneurskampagne aus. Auch führende Demokraten im Repräsentantenhaus forderten laut Reuters eine Untersuchung. Minderheitsführer Hakeem Jeffries sprach von Vorwürfen, die gründlich geprüft werden müssten.

Pelosi und Parteifreunde erhöhen Druck

Die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, erklärte, die „ernsten Vorwürfe“ müssten untersucht werden. Das geschehe am besten außerhalb eines laufenden Gouverneurswahlkampfs. Mehrere Gewerkschaften, darunter die kalifornische Lehrergewerkschaft, setzten ihre Unterstützung aus. Auch aus dem eigenen Lager wächst der Druck: Wahlkampfmitarbeiter sprangen ab, darunter der demokratische Abgeordnete Jimmy Gomez, der Swalwell zum Rückzug aufforderte.

Die Vorwürfe treffen den 45 Jahre alten Kongressabgeordneten in einer heiklen Phase. Swalwell galt bislang als einer der aussichtsreichsten Demokraten im Rennen um die Nachfolge von Gouverneur Gavin Newsom. Die Vorwahl in Kalifornien findet am 2. Juni statt, die Briefwahl beginnt Anfang Mai. Ob Swalwell trotz der Anschuldigungen im Rennen bleibt, war zunächst offen.