Neue Monroe-Doktrin

US-Bericht: CIA soll dauerhafte US-Präsenz in Venezuela aufbauen

Trump plant CIA-Stützpunkt in Caracas nach Maduros Sturz. Geheimdienst soll US-Rückkehr nach Venezuela einleiten. Kann das gutgehen?

Bisher war die US-Präsenz wenig diplomatisch: US-Flugzeugträger
Bisher war die US-Präsenz wenig diplomatisch: US-Flugzeugträger*

Die US-Regierung arbeitet nach der Gefangennahme von Venezuelas ehemaligem Präsidenten Nicolás Maduro an der Errichtung einer permanenten CIA-Präsenz in dem südamerikanischen Land. Der Auslandsgeheimdienst soll dabei die Führungsrolle beim Wiedereintritt der USA in Venezuela übernehmen, wie der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf mehrere mit den Planungen vertraute Quellen berichtet.

Die Gespräche zwischen CIA und Außenministerium drehen sich demnach um die kurz- und langfristige Gestaltung der US-Präsenz vor Ort. Während das State Department langfristig die diplomatische Vertretung übernehmen soll, werde die Trump-Regierung zunächst auf die CIA setzen – begründet mit der anhaltenden politischen Übergangsphase und der instabilen Sicherheitslage nach Maduros Sturz.

„Das Außenministerium hisst die Flagge, aber die CIA übt den eigentlichen Einfluss aus", erklärte eine mit den Planungen vertraute Quelle gegenüber CNN. Zu den kurzfristigen Zielen des Geheimdienstes gehöre es, die Grundlagen für diplomatische Bemühungen zu schaffen, Beziehungen zu lokalen Akteuren aufzubauen und für Sicherheit zu sorgen.

CIA-Stützpunkt als Vorstufe zur Botschaft

Nach Informationen von CNN könnten US-Beamte zunächst von einem CIA-Station aus operieren, bevor eine offizielle Botschaft eröffnet wird. Von dort aus könnten sie informelle Kontakte zu verschiedenen Fraktionen der venezolanischen Regierung, zu Oppositionsfiguren sowie zu potenziellen Bedrohungen durch Dritte aufnehmen. Ein ehemaliger US-Regierungsbeamter, der mit venezolanischen Stellen zusammenarbeitete, zog einen Vergleich zur Arbeit der Agentur in der Ukraine.

„Die Einrichtung eines Annexes hat oberste Priorität. Vor den diplomatischen Kanälen kann der Annex dabei helfen, Verbindungskanäle aufzubauen – das wird mit dem venezolanischen Geheimdienst geschehen und Gespräche ermöglichen, die Diplomaten nicht führen können", sagte der ehemalige Beamte.

Erster hochrangiger US-Besuch in Caracas

CIA-Direktor John Ratcliffe war Mitte Januar der erste hochrangige Trump-Beamte, der Venezuela nach der Maduro-Operation besuchte. Er traf sich mit Interimspräsidentin Delcy Rodríguez und Militärführern. Teil seiner Botschaft an die neue Führung: Venezuela dürfe kein sicherer Hafen mehr für Amerikas Gegner sein.

Die CIA werde voraussichtlich auch dafür zuständig sein, venezolanische Beamte über relevante US-Geheimdiensterkenntnisse zu diesen Gegnern – darunter China, Russland und Iran – zu unterrichten, so eine weitere Quelle.

Geheimdienst leitete Maduros Gefangennahme

CIA-Agenten befanden sich bereits in den Monaten vor der Operation gegen Maduro im Land. Im August hatte der Geheimdienst ein kleines Team verdeckt in Venezuela stationiert, um Maduros Gewohnheiten, Aufenthaltsorte und Bewegungen zu verfolgen. Ein CIA-Informant innerhalb der venezolanischen Regierung half demnach bei der Standortverfolgung des ehemaligen Präsidenten.

Auch die politische Entscheidung der US-Regierung, Rodríguez statt der Oppositionsführerin María Machado zu unterstützen, basierte laut CNN auf einer geheimen CIA-Analyse über die Auswirkungen eines Machtwechsels.

Langfristige Pläne bleiben unklar

Trotz Präsident Donald Trumps Aussage, seine Regierung werde das Land nach Maduros Gefangennahme „führen", warten US-Beamte noch auf eine klare Formulierung der übergeordneten Missionsziele durch das Weiße Haus.

„Das macht es schwieriger", räumte eine mit den Planungen vertraute Quelle ein. US-Beamte planten, eine Präsenz in Venezuela aufzubauen, und erwarteten, das eigentliche Ziel später zu ergänzen.

Die USA hatten ihre Diplomaten 2019 aus Venezuela abgezogen und den Botschaftsbetrieb in Caracas eingestellt. Vergangene Woche ernannte das Außenministerium die erfahrene Diplomatin Laura Dogu zur Leiterin der Venezuela-Abteilung. Anfang Januar entsandte das Ministerium ein Team von Diplomaten und Sicherheitspersonal nach Caracas, um eine erste Bewertung für eine mögliche schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs durchzuführen.

Die Sicherheitslage in Venezuela bleibt ungewiss und könnte die Pläne der Trump-Regierung beeinflussen. Diplomaten des Auswärtigen Dienstes sind in der Regel nicht für den Selbstschutz ausgebildet – ein weiterer Grund, warum die CIA in der Anfangsphase eine bedeutende Rolle übernehmen soll.

Wie die venezolanische Bevölkerung auf eine offenere CIA-Präsenz nach Maduro reagieren wird, bleibt abzuwarten. Jahrelang hatte Maduro die CIA als Feindbild dargestellt und der Agentur wiederholt – ohne Belege – vorgeworfen, sein Regime stürzen zu wollen. Nun hat der Geheimdienst tatsächlich dazu beigetragen, ihn zu verdrängen.