Vor fast sieben Jahren starb die damals 13-jährige Emily auf einer Klassenfahrt nach London an den Folgen ihrer Diabeteserkrankung. Jetzt hat das Düsseldorfer Landgericht endlich den Anspruch des Vaters auf Schmerzensgeld bestätigt. Die konkrete Höhe ist aber weiterhin offen.
Emily war im Juni 2019 in London an einem Herzinfarkt infolge einer diabetischen Stoffwechselentgleisung gestorben. Zwei Lehrerinnen, die die Fahrt organisiert hatten, wurden wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen rechtskräftig verurteilt.
Der Bundesgerichtshof verwarf ihre Revisionen im Dezember 2024. Die Pädagoginnen hatten vor der Reise nicht schriftlich nach Vorerkrankungen gefragt und trotz deutlicher Krankheitssymptome keinen Notarzt gerufen.
Vater schildert seine tiefe Trauer
Der Vater fordert 125.000 Euro, aber das Land Nordrhein-Westfalen bestritt sämtliche Ansprüche. Aus Sicht des Landes war der Fall verjährt. Auch die emotionale Nähe des Vaters zu seiner Tochter war von der Gegenseite angezweifelt worden. Das Gericht wies beide Einwände zurück.
Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Beate Hoffmann, wie es ihm gehe, antwortete der Vater: „Sehr schlecht.“ Er sei seit einem Jahr arbeitsunfähig, leide an schweren Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Zweimal habe man ihm als Kraftfahrer gekündigt. Konzentrationsschwierigkeiten und Beinahe-Unfälle hätten seinen Berufsalltag unmöglich gemacht. „Ich habe meine Touren nicht geschafft“, sagte er vor Gericht.
„Ich möchte, dass meine Tochter nicht vergessen wird“
Das Gericht schlug einen Vergleich über 25.000 Euro vor. „Mehr können wir, ehrlich gesagt, nicht gut begründen“, sagte Richterin Hoffmann. Die Schmerzensgeldsummen seien in Deutschland nun einmal eher niedrig. Während die Landesvertretung Zustimmung signalisierte, lehnte der Vater ab. Sein Anwalt Manuel Reiger erklärte, die Leiden rechtfertigten ein deutlich höheres Schmerzensgeld, und stellte die Hälfte der geforderten 125.000 Euro als diskutable Summe in den Raum.
Das Geld solle nicht ihm persönlich zugutekommen, sondern einer von ihm gegründeten Stiftung für diabeteskranke Kinder, sagte der Vater mit stockender Stimme. „Ich möchte, dass meine Tochter nicht vergessen wird.“ Emily wäre heute 21 Jahre alt.
