Der frühere Tischtennis-Weltranglistenerste Timo Boll hat nur acht Monate nach seinem Karriereende eine ungewöhnliche neue Bühne betreten: Der 44-Jährige ist im Hollywood-Film „Marty Supreme“ zu sehen, der von der Lebensgeschichte des Tischtennis-Spielers Marty Reisman inspiriert ist. Der Film ist für neun Oscars nominiert und feiert seine Deutschland-Premiere in Düsseldorf.
In dem Streifen spielt Boll den fiktiven tschechoslowakischen Tischtennis-Spieler Vladimir Sebek und tritt dabei am Tisch gegen Hauptdarsteller Timothée Chalamet an. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2024 in New York statt – und stellten den vierfachen Weltranglistenersten vor ganz andere Herausforderungen als ein gewöhnliches Turnier: Fünf Ballwechsel mussten exakt nach Drehbuchvorgaben immer wieder identisch wiederholt werden. „Am nächsten Tag hatte ich einen höllischen Muskelkater“, sagte Boll der Deutschen Presse-Agentur.
Für die Rolle musste Boll zudem den Spielstil der 1950er-Jahre einstudieren – eine Epoche, in der Tischtennis noch deutlich anders aussah als heute.
Regisseur Safdie holte Boll ohne Casting nach New York
Dass Boll überhaupt vor der Kamera landete, verdankt er Regisseur Josh Safdie. Dieser suchte für die Tischtennis-Szenen Darsteller, die das Spiel glaubwürdig verkörpern können. Safdie, selbst Tischtennis-Enthusiast und erklärter Boll-Anhänger, verzichtete bei dem Deutschen komplett auf ein Casting und lud ihn direkt ein.
Boll, der in seiner Karriere zweimal olympisches Silber gewann, zeigte sich von der Arbeitsweise Chalamets am Set tief beeindruckt. „Wenn er zum Set geht und am Set sich aufhält – dann sieht er rechts und links nichts. Dann ist er extrem fokussiert“, berichtete Boll. Er erkenne darin Parallelen zur mentalen Stärke von Leistungssportlern.
Keine weitere Filmkarriere geplant
Trotz einer Einladung der Schauspielergewerkschaft, die Boll nach dem Dreh erhielt, schließt er eine Fortsetzung seiner Leinwandkarriere aus. „Ich glaube eher, dass das mein letztes Filmprojekt war. Schauspieler möchte ich nicht werden“, stellte er klar.
Der Oscar-Verleihung am 15. März fiebert er dennoch entgegen – wenn auch nicht vor Ort in Los Angeles. Sollte „Marty Supreme“ bei der Preisverleihung erfolgreich abschneiden, könnte Boll sich mit dieser Erfahrung ein Leben lang schmücken – ähnlich wie der deutsche Schauspieler Ralf Moeller, der durch seine Rolle im Blockbuster „Gladiator“ bis heute bekannt ist.


