Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Südkoreas Präsident Lee Jae-myung haben bei einem Treffen am Montag in Seoul ihre bilateralen Beziehungen auf die Ebene einer „strategischen Partnerschaft“ gehoben. Beide Staaten unterzeichneten zehn Kooperationsabkommen in Bereichen wie Handel, Technologie, Landwirtschaft, Verteidigung, Energie und Raumfahrt, wie die brasilianische Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete.
Es ist der erste Staatsbesuch eines brasilianischen Präsidenten in Südkorea seit 2005. Lula war am Sonntag zu einem dreitägigen Aufenthalt eingetroffen – auf Einladung von Präsident Lee, der seit Dezember wieder den traditionellen Amtssitz Cheongwada (Blaues Haus) nutzt. Laut der südkoreanischen Zeitung Hankyoreh ist Lula der erste ausländische Staatschef, den Lee dort offiziell empfängt.
Präsidenten verfügen über einen „persönlichen Draht“
Beide Präsidenten kennen sich bereits von zwei früheren Begegnungen: beim G7-Gipfel im Juni 2025 in Kanada und beim G20-Gipfel im November vergangenen Jahres in Johannesburg.
Ein Beamter des Blauen Hauses schilderte gegenüber Hankyoreh eine persönliche Episode vom G7-Treffen: Lula habe Lee erzählt, wie er als 19-jähriger Metallarbeiter seinen kleinen Finger bei einem Arbeitsunfall in einer Presse verlor. Lee habe daraufhin von einer eigenen Verletzung am linken Arm durch eine Presse berichtet – beide seien dabei „den Tränen nahe“ gewesen.
Investitionen in Schlüsselbranchen angestrebt
Bei einem brasilianisch-koreanischen Wirtschaftsforum in Seoul am Montag mit 230 Unternehmen beider Länder warb Lula gezielt um Investitionen in wissensintensive Sektoren. Südkorea sei der zweitgrößte Halbleiterproduzent der Welt und halte einen erheblichen Anteil am Batteriemarkt, während Brasilien über kritische Mineralien verfüge, die für Elektronik und Elektrofahrzeuge unverzichtbar seien. „Die Rolle bloßer Rohstoffexporteure entspricht nicht unserem Potenzial“, sagte Lula laut Agência Brasil. Man suche Partnerschaften, die Wertschöpfung und Spitzentechnologie auf brasilianischem Boden ermöglichen.
Als Kernstück der Vereinbarungen bezeichnete Lula ein Abkommen zur Handelskooperation und produktiven Integration, das die industrielle, technologische und landwirtschaftliche Zusammenarbeit stärken soll. Weitere Kooperationsfelder umfassen die Raumfahrt – das koreanische Start-up Innospace ist bereits am brasilianischen Weltraumbahnhof Alcântara aktiv –, die gemeinsame Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten sowie die Kosmetikindustrie. In dieser Sparte lagen Brasiliens Exporte nach Angaben des Branchenverbands ABIHPEC 2025 bei rund einer Milliarde US-Dollar. Die größten Abnehmer befinden sich in Lateinamerika und den USA.
Lula verteidigt Multilateralismus
Das bilaterale Handelsvolumen von Brasilien und Südkorea liegt derzeit bei rund elf Milliarden US-Dollar – und damit deutlich unter dem Rekordwert von fast 15 Milliarden aus dem Jahr 2011. „Das bedeutet, dass wir in der Vergangenheit bessere Geschäfte gemacht haben“, räumte Lula ein. Die brasilianische Handelsförderagentur ApexBrasil habe 280 Exportchancen für brasilianische Produkte in Korea identifiziert.
Lula nutzte seinen Auftritt auch für eine Verteidigung des Multilateralismus und kritisierte Handelskriege. „Die beste Antwort auf Versuche, Handel als Waffe einzusetzen, ist zu zeigen, dass durch Dialog einvernehmliche Abkommen möglich sind“, erklärte er. Zugleich verwies er auf die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung beider Länder: In den 1960er-Jahren lag Südkoreas Pro-Kopf-Einkommen bei weniger als der Hälfte des brasilianischen – heute ist es dreimal so hoch.


