Südafrika hat den neuen US-Botschafter Leo Brent Bozell III wegen umstrittener Aussagen einbestellt. Außenminister Ronald Lamola erklärte am Mittwoch, der Diplomat habe sich wegen „undiplomatischer Äußerungen“ erklären müssen.
Bozell, ein konservativer Aktivist und Publizist, war erst im vergangenen Monat als Gesandter von US-Präsident Donald Trump in Pretoria eingetroffen. Bei einer Konferenz am Dienstag hatte er erklärt, das aus der Anti-Apartheid-Zeit stammende Befreiungslied „Kill the Boer“ („Tötet den Buren“) sei Hassrede. „Es ist mir egal, was Ihre Gerichte sagen – das ist Hassrede“, sagte Bozell.
Südafrikanische Gerichte hatten jedoch entschieden, dass das Lied nicht als Hassrede einzustufen ist. Für viele Anhänger der Regierungspartei ANC gilt es als historisches Protestlied gegen die Apartheid. Kritiker sehen darin eine Aufstachelung gegen weiße Farmer. Lamola sagte, Bozells Aussagen würden als Angriff auf die Justiz und die Geschichte des Landes verstanden. Der Diplomat sei deshalb einbestellt worden.
Ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums, Zane Dangor, erklärte, Bozell habe sich inzwischen entschuldigt und Bedauern über seine Äußerungen geäußert.

Beziehungen seit Trumps Amtsantritt angespannt
Die Beziehungen zwischen Washington und Pretoria haben sich seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump verschlechtert. Der US-Präsident hatte Südafrika wiederholt wegen seiner Programme zur wirtschaftlichen Förderung der schwarzen Bevölkerung kritisiert, die historische Ungleichheiten aus der Apartheid-Zeit ausgleichen sollen.
Trump wirft der südafrikanischen Regierung seit längerem vor, weiße Farmer würden im Land diskriminiert und durch Landreformen benachteiligt. Pretoria weist diese Darstellung zurück und erklärt, die Maßnahmen sollten die Folgen der Apartheid korrigieren, während Gewalt auf Farmen Menschen aller Bevölkerungsgruppen treffe. Die US-Regierung kündigte dennoch an, weißen südafrikanischen Landwirten die Einwanderung in die Vereinigten Staaten erleichtern zu wollen.
Auch die Klage Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof belastet das Verhältnis. Pretoria wirft Israel dort Völkermord im Gazastreifen vor. Israel weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Südafrika betont, eine außenpolitische Linie der Blockfreiheit zu verfolgen. Trump hat der Regierung in Pretoria hingegen vorgeworfen, gegenüber den USA und ihren Verbündeten „aggressive Positionen“ einzunehmen.

